Journalistenschule : Qualität auch für das Internet

Holtzbrinck-Schule feiert ihr 20-jähriges Jubiläum.

Jens Tönnesmann

Wer die Archive wälzt und alles zusammenrechnet, kommt auf eine eindrucksvolle Bilanz: Genau 202 Wirtschaftsjournalisten hat die Georg von Holtzbrinck- Schule für Wirtschaftsjournalisten seit 1988 hervorgebracht, darunter elf Chefredakteure, acht Ressortleiter und zwölf Auslandskorrespondenten. Viele von ihnen haben am Freitagabend den Weg nach Düsseldorf gefunden, um im „Theater der Träume“ das 20-jährige Bestehen der Schule zu feiern und über die Zukunft des Wirtschaftsjournalismus zu diskutieren. Wichtigstes Thema: das Internet. Im Jahr 2011 soll ein Viertel des Umsatzes der Verlagsgruppe (Tagesspiegel, „Handelsblatt“, „Zeit“) mit elektronischen Medien erzielt werden, bekräftigte Verleger Stefan von Holtzbrinck. Um zu wachsen, werde der Verlag weiter zukaufen; auch Kooperationen mit Wettbewerbern „auf kleinem Niveau“ seien möglich. Er rechne fest damit, dass sich die rund 50 Millionen Euro teure Übernahme der Online-Community StudiVZ rechnen werde. Über StudiVZ würden Nutzer auf Nachrichtenportale wie Zoomer aufmerksam. „Und die Studenten, die einmal darauf gehen, die kommen oft und immer wieder zurück.“

Das weltweite Netz ist aus Sicht von Holtzbrinck auch ein Ansporn für Qualitätsjournalismus. „Durch die gestiegene Konkurrenz erleben wir eine Verbesserung des Journalismus“, sagte Holtzbrinck. Mit Bilanzen, Archiv und Taschenrechner sollten Wirtschaftsjournalisten zwar auch in Zukunft umgehen können, sagte der Verleger. Außerdem müssten sie aufrichtig sein, einen guten Stil besitzen, interessant schreiben können und in der Recherche nicht nachlassen. Um aber auch die Leser zu erreichen, die sich vor allem über neue Medien informierten, müssten Journalisten wissen, wie multimediale Anwendungen funktionieren. Tageszeitungen müssten „Nachrichten in kurzer Zeit über das Netz ausspielen und dann online und im Blatt analysieren“. Verlierer sei das Fernsehen: „TV wird am ehesten abstürzen, weil es leichtesten substituierbar ist“, sagte der Verleger.

Wie sich das Internet auf traditionelle Medien auswirkt, darüber sind die Journalisten selbst allerdings geteilter Meinung: Eine Gefahr sehen sie in der Beeinflussung von außen: „Die Manipulationsmaschinerie ist sehr viel mächtiger, professioneller und größer geworden“, sagte der Chefredakteur des „Handelsblatts“, Bernd Ziesemer, „und das zu einem Zeitpunkt, wo die Redaktionen tendenziell eher kleiner geworden sind.“ In der Ausbildung müssten Journalisten deswegen auch lernen, mit solchen „spins“ fertig zu werden.

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