Medien : Journalistische Sündenfälle

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Mit einem Banküberfall in Gladbeck beginnt ein 54stündiges Geiseldrama. Zuerst entkommen die Geiselnehmer in einem Fluchtauto, später kapern sie einen Linienbus. Der Presse geben sie bereitwillig Interviews, die Polizei dagegen kann die Situation nicht beherrschen, die Verfolgung endet im Blutbad. Den Medien wird vorgeworfen, die Gewalttäter hofiert zu haben.

Januar 1996: Born fälscht TV-Beiträge

Der TV-Fälscher Michael Born versorgt zwischen 1991 und 1995 „Stern-TV“ (RTL), „S-Zett“ (Vox), Sat 1, Pro 7 und das deutsche Fernsehprogramm des Schweizer Rundfunks (DRS) mit gefälschtem Fernseh-Material. Gelang es ihm nicht, authentische Bilder zu filmen, stellte er die Szenen nach. Born wird mit vier Jahren Gefängnis bestraft.

November 2000: Der Fall Joseph

Die „Bild“-Zeitung titelt: „Neonazis ertränken Kind“. Ohne die Information zu prüfen, berichtet fast jede deutschen Tageszeitung vom angeblichen Mord in Sebnitz, den 50 Neonazis an dem 6-jährigen Jungen in einem Freibad drei Jahre zuvor begangen haben sollen. Tatsächlich starb der Sechsjährige an einem Herzversagen im Freibad, die Zeugenaussagen stellen sich als falsch heraus.

Januar 2001: Trittin-Foto in „Bild“

Die „Bild“-Zeitung druckt ein Foto von Jürgen Trittin aus dem Jahr 1994, das den Grünen-Politiker neben vermummten Demonstranten zeigt. Hinweise deuten auf einen „Bolzenschneider“ und einen „Schlagstock“ in seiner Hand hin, tatsächlich handelt es sich um ein Seil und einen Handschuh. „Bild“ entschuldigt sich im Blatt und bei Trittin wegen „handwerklicher Fehler“ und einer falschen Bildunterschrift, bestreitet aber jegliche Absicht von Manipulation.

Mai 2002: Tom-Kummer-Interviews

„Focus“ meldet, dass das „SZ-Magazin“ der „Süddeutschen Zeitung“ bis April 1999 frei erfundene und verfälschte Interviews mit Stars wie Kim Basinger, Sharon Stone, Brad Pitt und Courtney Love abgedruckt hat. Ihr Autor heißt Tom Kummer. Der Begriff „Borderline-Journalismus“ kommt auf, er steht für eine Mischung aus Wahrheit und Fiktion. mid

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