Jüdische Allgmeine Zeitung : Der besondere Blick

"Schlepptoptauglich" sollen sie sein, die neuen Online-Seiten der "Jüdischen Allgemeinen Zeitung" (JA). Bedeutet: jung, leicht, zeitgemäß.

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Jüngere Leser will das Wochenblatt mit der renovierten Homepage locken. Screenshot: Tsp
Jüngere Leser will das Wochenblatt mit der renovierten Homepage locken. Screenshot: Tsp

Das alte Angebot, das teils aus herunterladbaren PDF-Dokumenten bestand, sei „dringend sanierungsbedürftig“ gewesen, sagt Chefredakteur Christian Böhme, der gemeinsam mit einer Agentur ein Jahr lang an dem Auftritt gearbeitet hat. Als die generalüberholte Seite vor Kurzem ans Netz ging, brach der Server zusammen – der Andrang war zu groß. „Da konnte man sich ausnahmsweise über das Versagen der Technik freuen“, lacht Böhme.

Politik, Kultur, Religion, alles aus jüdischem Blickwinkel – das Wochenblatt, das jeden Donnerstag mit einer Auflage von 12 500 gedruckten Exemplaren erscheint, deckt ein breites Themenspektrum ab. Die Online-Inhalte kommen aus der Printausgabe, manchmal gibt es auch Exklusivgeschichten. Die Seite soll möglichst täglich, zumindest aber „immer wieder“ aktualisiert werden. Ein externer Mitarbeiter kümmere sich „drei bis vier Tage pro Woche“ um die Technik und gebe der Redaktion Online-Tipps. Für spektakuläre Ereignisse gibt es ein „Eilmeldungs“-Format – das wurde aber bisher noch nicht gebraucht.

Drei Blogs ergänzen das Angebot: „JA“-Korrespondentin Sabine Brandes schreibt aus Tel Aviv, Feuilletonist Hannes Stein berichtet aus New York und Chefredakteur Böhme aus Berlin. Aufgrund „schlechter Erfahrungen“ können die Blogs allerdings nicht kommentiert werden – im Internet ein Malus. Aber: „Wir hätten zu viel damit zu tun, den Schund und die Antisemiten auszusortieren“, bedauert Böhme. Diese Zusatzarbeit könne die achtköpfige „JA“-Redaktion einfach nicht leisten.

Der neue Internetauftritt wirkt aufgeräumt und übersichtlich, mit viel Weißraum und großen Fotos. Ein Serviceteil in der rechten Spalte bietet unter anderem ein Glossar mit jüdischen Begriffen sowie Porträts und Gottesdiensttermine von rund 50 jüdischen Gemeinden in Deutschland. Das Angebot ist kostenfrei, Böhme glaubt nicht an Bezahlinhalte im Netz. Höchstens könnte er sich vorstellen, irgendwann einmal „geringes Geld“ für spezielle, aufwendig zusammengestellte Themendossiers zu verlangen.

Mit der Neuausrichtung will Böhme auch ein jüngeres Publikum ansprechen. „Wir wollen Aufmerksamkeit generieren“, sagt er, eine „neue Leser-Blatt-Bindung“ solle entstehen. Das Konzept scheint aufzugehen: Die Facebook-Seite, parallel zur Homepage eingerichtet, hat nach zwei Wochen schon fast 400 Fans. Wie viele Nutzer das renovierte Zeitungsangebot hat, will Böhme noch nicht verraten. Die Sache solle erst mal anlaufen. Nach einem Monat werde man ein erstes Zwischenfazit ziehen.Jan Oberländer

www.juedische-allgemeine.de

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