Medien : Jünger, weiblicher, sexy

Wie viel Qualität brauchen Zeitungen in Zeiten des Sparens?

Thomas Gehringer

Die Frage, mit der sich der Zeitungstag beim „medienforum.nrw“ gestern in Köln beschäftigte, klang wie eine Drohung: „Wie viel Qualität müssen Zeitungen sich leisten?“ Die vom Veranstalter, dem Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV), nicht ausgedruckte Unterzeile lautete wohl: Darf’s auch etwas weniger sein, billiger, ohne den guten Ruf bei den verbliebenen Lesern zu verspielen? An Bekenntnissen mangelt es nicht: „Wer die journalistische Qualität abbaut, gerät in eine Todesspirale aus Auflagenverlusten und sinkenden Anzeigeneinnahmen“, sagte etwa Ulrich Reitz, Chefredakteur der „Rheinischen Post“ in Düsseldorf. Allerdings ist ein Teil des Anzeigenmarkts ohne Zutun der Redakteure weggebrochen, etwa die Auto- und Stellenanzeigen. Schuld sind die Konjunktur und das Internet.

Von der Sparpolitik sind in vielen Häusern die Redaktionen nicht verschont geblieben. In Berlin etwa werden „Morgenpost“ und „Welt“ nunmehr von einer einzigen – verkleinerten – Redaktion produziert. „Das hat sehr gut funktioniert“, beteuerte Chefredakteur Jan-Eric Peters.

Auf mehr Kooperation mit Redaktionen anderer Zeitungshäuser setzen auch regional orientierte Verlage. So pflegen mittlerweile 20 Blätter zwischen Flensburg und Passau als „Regionale Zeitungspartner“ (RZP) den gegenseitigen Austausch von Texten. Dazu passt, dass immer mehr Verlage die Dienste der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Frage stellen. Zwar beteuerte Verlegerpräsident Helmut Heinen: „Wir können froh sein, das wir eine nationale Agentur haben, auf die die Zeitungsverleger Einfluss nehmen können.“ Doch die dpa „wird gezwungen sein, ihr Konzept zu ändern“. Das sagte Claus Larass, der als Vorstand bei ProSiebenSat1 zwar für die Konkurrenzagentur ddp zuständig ist, doch Widerspruch erntete er nicht.

Zeitungen sind im Umbruch, sollen mehr Service bieten (Reitz), „weiblicher werden“ (Larass), dürfen ruhig teurer werden (Peters) und müssen sich vor allem der jüngeren, weniger lesebegeisterten Generation öffnen. „Wie alt sind eigentlich unsere Journalisten?“, fragte Clemens Bauer, der die nordrhein-westfälischen Verleger vertritt. Nun waren die anwesenden Herren in Köln alle nicht mehr die jüngsten. Bauers Forderung „Die Zeitung muss sexy sein“ ließ erkennen, vor welch gewaltiger Aufgabe die Blätter stehen.

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