Jürgen Emig : Emig-Prozess löst Debatte um „System ARD“ aus

Jürgen Emig, ehemaliger Sportchef des Hessischen Rundfunks (HR), bekommt in seinem Strafprozess vor dem Frankfurter Landgericht jetzt zumindest teilweise Rückendeckung von einem früheren Kollegen.

Martin Buchhorn, pensionierter Fernsehspielchef des Saarländischen Rundfunks (SR), hat sich als Emigs Entlastungszeuge angeboten – weil ihn die „pharisäerhafte Haltung“ der ARD- Spitze im Umgang mit Schleichwerbung aufrege, wie Buchhorn in einem gestern veröffentlichten Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ sagte. Er sprach von einem „System“ im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, nachdem bezahltes Product-Placement über Jahrzehnte zwar offiziell verurteilt, „aber intern toleriert oder sogar verlangt“ worden sei.

Gegen Emigs System, Berichte von Tanz- oder Motorsportveranstaltungen von den Veranstaltern oder Sponsoren finanzieren zu lassen, sei nichts einzuwenden, sofern das Geld allein für die Herstellung der Sendungen verwendet werde. Geld in private Kassen umzuleiten, sei allerdings kriminell, räumte Buchhorn ein. Emig wird unter anderem Bestechlichkeit, Betrug und Untreue zum Nachteil des HR vorgeworfen. Mitangeklagt ist sein früherer Geschäftspartner Herbert Frahm.

Buchhorn selbst hatte sich schon 2005 nach Aufdeckung der „Marienhof“-Affäre selbst bezichtigt, zum Beispiel „Tatorte“ aus Saarbrücken teilweise mit integrierter Produktwerbung finanziert zu haben. Dies sei mit Billigung der Senderspitze geschehen. Das dementierte die ARD gestern wie schon 2005 erneut. „Es gab kein ,System der ARD‘, sondern ein ,System Buchhorn‘“, sagte ARD-Sprecher Peter Meyer.

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