• Jugendschutz ausgehebelt Pro 7 sendet „Soldat James Ryan“ zu früh – Medienanstalt reagiert

Medien : Jugendschutz ausgehebelt Pro 7 sendet „Soldat James Ryan“ zu früh – Medienanstalt reagiert

Matthias Bartsch

5,54 Millionen Zuschauer haben am Sonntagabend den Spielfilm „Der Soldat James Ryan“ gesehen und dem Sender Pro 7 zu einem überdurchschnittlich hohen Marktanteil (17,1 Prozent) verholfen. Dies könnte aber ein teures Nachspiel für Pro 7 haben.

„Es handelte sich bei der gekürzten nicht um die harmloseste Version des Films, und Pro 7 kann sich nicht einfach über ein Urteil hinwegsetzen und den Jugendschutz aushebeln“, sagte Hans Hege, Direktor der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB), dem Tagesspiegel. Der Sender ignorierte nämlich das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin und zeigte den Film, der ab 16 Jahren freigegeben ist, bereits um 20 Uhr 15 und nicht erst nach 22 Uhr, wie es der Rundfunkstaatsvertrag vorschreibt.

Nun wird es zu einem Anhörungsverfahren kommen, bei dem sich der Sender zu dem Vorfall äußern muss. Der Medienrat der MABB wird daraufhin entscheiden, ob und in welcher Höhe es zu einer Geldstrafe für Pro 7 kommt. Diese könnte bis zu 500 000 Euro betragen. Dass der Sender aus wirtschaftlichem Kalkül gehandelt und die Strafe bewusst in Kauf genommen hat, glaubt Hege nicht. „Die Werbeblöcke waren offenbar nicht komplett ausgebucht. Hier ging es wohl mehr um die allgemeine Positionierung des Senders, der einen attraktiven Film zur besten Sendezeit zeigen wollte“, sagt er.

Der Streit um die Ausnahmegenehmigung, den gekürzten Film um 20 Uhr 15 senden zu dürfen, hat eine längere Vorgeschichte. Die MABB hatte die Ausstrahlung vor 22 Uhr bereits vor einigen Monaten zwei Mal abgelehnt, da die Gewaltbilder, besonders in der ersten halben Stunde, laut Hege über das Maß hinausgingen, das jüngeren Zuschauern „üblicherweise im Hauptabendprogramm zugemutet wird“. Pro 7 rechtfertigt die Ausstrahlung damit, dass es sich um eine um sieben Minuten gekürzte Version des Films handelt und extreme Gewaltszenen nicht zu sehen seien. Weiterhin habe die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) die gekürzte Fassung ab zwölf Jahren freigegeben. Damit sei die Ausstrahlung um 20 Uhr 15 legitim. Letztlich ist aber nicht die FSF, sondern die MABB die entscheidende Instanz, und die sieht die Sachlage anders.

Das Verwaltungsgericht Berlin hatte noch einer Klage des Senders Pro 7 auf einen Sendetermin nach 20 Uhr stattgegeben. Medienanstalten wie die MABB müssen insbesondere bei ihren Entscheidungen zu Jugendschutzfragen Gutachten freiwilliger Selbstkontrolleinrichtungen wie der FSF einbeziehen.

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