Jugendzeitschrift : „Dr. Sommer wird es bei uns nicht geben“

„Stern“ bringt Jugendableger „Yuno“ an den Kiosk. Einen Vorläufer dazu gab es mit "Sternchen" auch schon - in den 50er Jahren.

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Foto: Promo
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Herr Gless, die Jugendzeitschrift „Yuno“ erscheint nach zwei Probeausgaben von Donnerstag an regelmäßig im Zweimonats-Rhythmus. Was sind die wesentlichen Gründe dafür?

Neben den hervorragenden Ergebnissen der Marktforschung waren das besonders die Reaktionen von Eltern. „Endlich mal ein Heft, das unser Kind auch liest“, hieß es da zum Beispiel.

Das Heft kommt mit einer Druckauflage von 110 000 Exemplaren in den Handel …

Die Einführungsausgabe, die statt drei Euro nur einen Euro kostet, wird sogar mit über 200 000 Exemplaren auf den Markt kommen.

Die viel wichtigere Botschaft aber lautet doch, dass Kinder und Jugendliche keinesfalls für gedruckte Medien verloren sind.

Es wäre für uns Journalisten ein Armutszeugnis, wenn wir diese Zielgruppe aufgeben würden. Ich bin Vater von vier Kindern und möchte, dass auch meine Kinder weiter lesen. Die Harry-Potter- und die Bis(s)-Bücher haben gezeigt, dass Kinder gute und spannende Stoffe lesen. Und nichts ist spannender als die Wirklichkeit. Wenn man die altersgerecht und ohne erhobenen Zeigefinger darbietet, lesen die Jugendlichen das auch.

Bereits in den 50er-Jahren gab es mit dem „Sternchen“ eine Kinderbeilage mit dem Werbeslogan: „Kinder haben Sternchen gern – Sternchen ist das Kind vom Stern“. Wie viel „Stern“ steckt in „Yuno“?

Die Art, wie wir bei „Yuno“ Geschichten erzählen, hat viel mit der „Stern“-DNA zu tun, nämlich journalistische Geschichten an Menschen entlang und auch in Bildern zu erzählen.

Welche Themen kamen in den ersten beiden Ausgaben gut an?

Alles, was mit Stars zu tun hat. Was aber ebenfalls interessant ist: Wir hatten eine Geschichte über zwei sozialschwache Jugendliche im Norden Großbritanniens, die im Rahmen eines besonderen Programms unter Hausarrest stehen. Das wurde sehr stark aufgenommen und gelesen. Ganz wichtig ist, dass die Jugendlichen über sich selbst und ihre Altersgruppe erzählen, auch in anderen Kulturkreisen. Im neuen Heft erzählt zum Beispiel ein elfjähriger Libyer, wie er den Krieg in seinem Land erlebt. Ich glaube, das wird mit sehr großem Interesse gelesen werden.

Was klappt nicht?

Humor ist ein schwieriges Thema. Und zu viel Text in einem großen Block. Den rühren sie einfach nicht an.

Sex scheint ein ebenso schwieriges Thema zu sein, das kam in den ersten beiden Ausgaben nicht vor.

Das haben wir auf dem Zettel. Im neuen Heft schreiben wir über einen 17-jährigen Jungen, der sich mit 14 als schwul geoutet hat. Das ist vermutlich nicht der Sex, den Sie meinen, aber Dr. Sommer wird es in „Yuno“ nicht geben.

Aber auf Facebook, Youtube und Co. müssen sie reagieren?

Man kann heute kein Heft machen, ohne das mitzudenken und anzubieten. Wir sind im Netz und wir werden auch auf Facebook sein. Dort werden wir die Chance nutzen, uns Feedback von unseren Lesern zu holen, aber auch, Lesern zu zeigen, bei welchen Geschichten sie mitmachen können.

Die Eltern erwarten genauso, dass Sie vor den Gefahren im Internet warnen.

Was wir tun, zum Beispiel mit Geschichten wie „Kino.to – No!“ im aktuellen Heft. Wir zeigen darin, dass es vernünftige und nicht so teure Alternativen gibt. Meine Kinder haben das sofort gelesen.

Und mit so einem Thema kann man auf dem Schulhof punkten?

Schulhof ist ein ganz wichtiges Stichwort. Wenn wir mit „Yuno“ zum Thema auf dem Schulhof werden, dann haben wir wirklich viel erreicht.

Das Interview führte Kurt Sagatz.

Florian Gless leitet beim „Stern“ das

Ressort Deutschland und Gesellschaft und ist zudem Redaktionsleiter des Jugendablegers „Yuno“.

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