Medien : Jung, ledig sucht …

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Von Ulrike Simon

Am Freitag gingen die letzten „Berliner Seiten“ in Druck. Sechs Redakteure sind gekündigt, die anderen sechs werden umgesetzt, etwa Axel Wermelskirchen, der Leiter der Seiten: Er wird als Korrespondent von Berlin aus für die „FAS“ reportieren. 24 weitere von „FAZ“ und „FAS“ wissen seit Donnersta ebenfalls, dass sie gehen müssen. Das Bundesarbeitsgesetz gab vor, wer gekündigt wird, es galt das Prinzip der „sozialen Auswahl“. Pech hatte, wer jung ist, noch nicht lange angestellt und keine Kinder hat. Das beudeutet: Jene, die bei Frank Schirrmachers (nach den „Berliner Seiten“) zweitliebstem Projekt „FAS“ arbeiten, waren in höherem Ausmaß betroffen als die etablierten Kollegen bei der „FAZ“. Die Kündigungen im Verlag kommen erst noch, dort wird vor allem im Anzeigen- und Technikbereich umstrukturiert. Zumindest in der Redaktion ist aber nun klar, wer gehen muss. Zehn Tage musste die 460-köpfige Redaktion darauf warten. Bei anderen Zeitungen hatte es Wochen, gar Monate gedauert bis jeder wusste, ob er gekündigt wird oder bleiben darf. Aber bei der „FAZ“ ist die Leidensfähigkeit gering. Ein Redakteur sagt: „Bei uns ist die Fallhöhe groß, bei der ,FAZ’ waren wir schließlich einen anderen Umgangsstil gewohnt.“ Solidarisch hatte sich zuletzt das Wirtschaftsressort gezeigt, das einen Plan entwickelte, wie mit freiwilligen Gehaltskürzungen und flexiblen Arbeitszeitmodellen Kündigungen zu verhindern wären. Der Geschäftsführer lehnte das Angebot ab, verweist auf geltende Tarifverträge.

An diesem Sonnabend erscheinen nun die letzten „Berliner Seiten“: Vorn werden die gelungensten Titelseiten nochmals abgedruckt, hinten Abschiedscomics, in der Mitte gibt es einen Text über Kierkegaard, der im Hotel Unter den Linden gegenüber dem Berliner „FAZ“-Gebäude wohnte. Am Freitagabend um 18 Uhr traf sich die Redaktion zum „Leichenschmaus“, auch Herausgeber Schirrmacher wurde erwartet.

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