Medien : Kabelzwerge: Spaß in der Warteschleife

Robert Ide

"TM 3 - Hertha ist dabei." Dieser Sprechchor hallte vor gut einem Jahr durchs Berliner Olympiastadion. Die Kicker von Hertha BSC schossen sich gerade in die Champions-League. Und ein unbekannter Kabelkanal sicherte sich die Übertragungsrechte für Europas Fußball-Liga. Doch die Zeiten, in denen Medien-Mogul Rupert Murdoch mit TM 3 Schlagzeilen machte, sind vorbei. Sport und große Filme laufen woanders. Was bleibt übrig? Ein Klick auf die Fernbedienung soll es zeigen.

Ein TM 3-Sonntag beginnt mit Kinderprogrammen. Kurz vor 12 Uhr läuft die Zeichentrickserie "Ninja Turtles". Darin schlagen grüne Figuren auf Roboter und Drachen ein. Zwei Stunden lang wirbeln brennende Körper durch die Luft. Vielleicht wollen kleine Zuschauer so etwas sehen. Doch der Krawall kann nicht darüber hinweg täuschen, dass der Ninja-Boom längst überholt ist.

13 Uhr 45: eine Reportage über Fische im Nordpazifik. Naturfreunde können lernen, dass der Paarungsgesang von Buckel-Walen 15 Kilometer weit zu hören ist. Andere können sich nette Bilder anschauen.

TM 3 scheint der ideale Kanal für Nebenbeigucker zu sein, für die Bügler und Zeitungsleser unter den Zuschauern. Konzentration ist nicht nötig, man verpasst wenig. Und das Programm sieht oft alt aus. Da wäre der Abenteuerfilm von 1954, der gegen 15 Uhr über den Bildschirm flimmert. Er handelt von einem König der Wüste, der auf dem Meer gegen Stürme ankämpft. Gutwillige könnten meinen, hier sei Murdochs Kampf auf dem deutschen Medienmarkt verfilmt worden. Doch im Gegensatz zum Filmhelden lässt er die Waffen ruhen. Murdoch hat ein neues Spielzeug gefunden: den Abo-Kanal Premiere World. TM 3 bleiben die Reste.

Der Kabelzwerg sendet, was er hat, und das ist nicht viel: alte Schinken und ausgedehnte Magazine. "Leben und Wohnen" zum Beispiel, mit Reportagen aus der Apotheke und Kursen für Heimwerker. Ein Sendeprofil ist nicht erkennbar.

TM 3 war als Frauensender gestartet und als Fußballsender gescheitert. Nun möchte er ab Herbst ein Spaßsender sein. Doch noch ist alles Stückwerk. Haushaltsmagazine für Frauen, alte Revolverpistolen für Männer, Trickfilme für Familien - TM 3 will es allen recht machen. Aber wer hat da Spaß?

Die junge Wunsch-Zielgruppe von TM 3 kommt eigentlich nur in einer Sendung vor: in der Vorabend-Show "Singles 2000", die einsame Herzen vorstellt. Eine davon ist die 21-jährige Astrid, die einen Mann mit muskulösem Körper sucht. Vor laufender Kamera liest sie ein selbst verfasstes Gedicht vor. Es heißt "Melodie der Einsamkeit" und passt unfreiwillig zu TM 3. Eine Zeile lautet: "Hoffnungsvolles Erwarten - ich weiß nicht, was wird."

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