Medien : Kaliningrad-Connection

N-Ost – Korrespondenten-Netzwerk für Osteuropa

Olaf S,ermeyer

Die Menschen aus dem hessischen Schwalm-Eder-Kreis zählten zu den Ersten, die das Bild von dem neuen Präsidenten der Ukraine mit Inhalt füllen konnten: Viktor Juschtschenko flimmerte im Dezember zwar täglich von dem Kiewer Protestplatz aus in deutsche Wohnzimmer, aber die „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ gehörte zu den Ersten, die ein Interview mit ihm gedruckt haben. Das Interview kam von dem Berliner Korrespondentennetz N-Ost. „Das war unser Durchbruch, der Ernstfall“, sagt N-Ost-Redakteur Andreas Metz.

N-Ost verteilt seit einem Jahr Korrespondentenberichte aus Mittel- und Osteuropa von einem kleinen Büro in der Berliner Schillerstraße aus. Zuvor flickten einige Journalisten, die als Deutschlektoren in Osteuropa arbeiteten, das Netzwerk in Internetcafés von Danzig und Rostow am Don aus zusammen. Mittlerweile sitzen 120 Korrespondenten im N-Ost- Netz, in 23 Ländern zwischen der Oder und dem Yangtse. Und die Referenzliste von N-Ost liest sich quer durch die deutschsprachige Presselandschaft, auch in der Schweiz und Österreich, wo das Interesse an Osteuropa besonders groß ist, beliefert N-Ost Redaktionen. „Vor allem in Regionalzeitungen ohne eigene Korrespondenten“, sagt Metz, wie etwa die „Rheinische Post“, die ihre Seiten seit ein paar hundert Ausgaben gänzlich ohne Texte der dpa füllt.

„Für uns sind N-Ost-Texte eine gute Ergänzung zum gängigen Agenturmaterial“, sagt Ines Pohl, Politikchefin der „Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen“. „N-Ost bringt halt vieles, das die Agenturen nicht bringen, Abseitiges und aus anderen Blickwinkeln“, sagt Pohls Pendant Jens Burmeister von der Rostocker „Ostseezeitung“ (Springer Verlag). „Wir nehmen gerne gute Geschichten aus dem Ostseeraum, weil wir dazu regelmäßig eine Themenseite füllen müssen.“

Einige Texte gehen auch an überregionale Zeitungen, die allerdings häufiger eigene Aufträge an N-Ost verteilen: wie der Tagesspiegel mit einem Beitrag über das Stadtjubiläum von Kaliningrad oder „Die Zeit“ mit einer Geschichte über polnische Fluggäste an deutschen Flughäfen. „Aber weil unser Ziel die Vertiefung der Beziehungen zwischen Ost und West ist, unterstützen wir auch die klammen deutschsprachigen Zeitungen im Ausland – mit kostenlosen Texten.“

N-Ost agiert nicht kommerziell: Das Netzwerk wird von der Stuttgarter Bosch-Stiftung finanziert. Die Texthonorare fließen an die Autoren weiter, ein Zehntel davon geht als Solidarbeitrag zurück zu N-Ost. Dort fallen Büro- und Personalkosten für zwei halbe Stellen an. Von den abgedruckten Texten könnten aber gerade mal ebenso viele freie Journalisten leben. „Wir müssen uns überlegen, wo wir hinwollen“, sagt Redakteur Andreas Metz. Wenn die Projektfinanzierung ausläuft, gäbe es betriebswirtschaftlich zwei Wege: hin zur kleinen Abonnementsagentur oder zu einem Zeitungsverlag, der sich die N-Ost-Redaktion leistet.

Noch bis Sonntag findet in Berlin, Europäisches Haus, Unter den Linden 78, die „Journalistenkonferenz Ost-West“ statt. Weitere Informationen unter www.journalisten-ost-west.de

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