Medien : Kalt erwischt

Ein halbes Jahr folgte ein WDR-Autor den Spuren von Holger Pfahls, dann musste alles schnell gehen

Thomas Gehringer

WDR-Autor Christian Jentzsch hatte in der vergangenen Woche gerade mit der Arbeit im Schneideraum begonnen, als die Nachricht von der Festnahme des ehemaligen Daimler-Managers, Staatssekretärs und Verfassungsschutz-Präsidenten Holger Pfahls, 61, in Paris kam. Davon wurde auch Jentzsch, wie er sagt, „total überrascht“, obwohl er seit einem halben Jahr die Hintergründe der fünf Jahre währenden Pfahls-Flucht recherchiert hatte. Erst in drei Wochen sollte sein Film fertig sein und irgendwann im Herbst in der „story“-Reihe gesendet werden. Immerhin kann die ARD nun aktuell reagieren: Unter dem Titel „Gejagt um den Globus – Holger Pfahls hinter Gittern“ läuft die Dokumentation heute Abend.

Am Konzept seines Filmes, sagt Jentzsch, habe sich durch die Festnahme nicht allzu viel verändert: Jentzsch begibt sich auf die Spur von Pfahls, gegen den wegen vermutlich nicht versteuerter Schmiergelder nach einem Panzergeschäft mit Saudi-Arabien im Jahr 1999 Haftbefehl erlassen wurde und der dann in Taiwan untertauchte. Der Autor führt viele Interviews, unter anderem mit dem ehemaligen Waffenhändler Karlheinz Schreiber in Kanada. Schreiber charakterisiert Pfahls als „guten Soldaten“ und „Macher“, der alles durchsetzte – „ohne Rücksicht auf Verluste“. Jentzsch reist aber auch nach Taiwan, filmt im 19. Stock des Krankenhauses in Taipeh, in dem Pfahls sich angeblich nach einem Schlaganfall behandeln ließ, wo aber laut Jentzsch nur Patienten der plastischen Chirurgie liegen.

Zugleich schlägt der Autor erneut eine Schneise durch den Dschungel der verschiedenen Schmiergeld-Affären. So legt er nahe, dass sich Taiwan möglicherweise bei der Flucht von Pfahls erkenntlich zeigte, weil der ehemalige Verteidigungs-Staatssekretär den Verkauf von sechs deutschen Minenbooten trotz geltender Ausfuhr-Beschränkungen für Krisengebiete gefördert habe.

Jentzsch ist ein sehr profunder Film gelungen, der Pfahls als cleveren Waffenlobbyisten und Geheimdienstler beschreibt, der im Schatten von Franz-Josef Strauß ein „einträgliches Profitcenter“ betrieben habe. Über die Umstände seines „mysteriösen Auftauchens“ kann freilich auch Jentzsch nur spekulieren. Ihn wundere, dass jemand, der „fünf Jahre lang null Spuren hinterlassen hat“, plötzlich ein Fax nach Deutschland schickt und prompt aufgespürt wird, sagt er. Jentzsch vermutet Berechnung dahinter, vielleicht die Hoffnung auf ein milderes Urteil.

„Gejagt um den Globus – Holger Pfahls hinter Gittern“, ARD, 23 Uhr

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