Kampf gegen die Krise : Schwierigstes Jahr

Die Wirtschafts- und Finanzkrise trifft die Zeitungbranche heftig: das Anzeigenvolumen schrumpft, die Umsätze sinken. Welche Forderungen der Verband der Zeitungsverleger Unterstützung jetzt an die Politik richtet.

Sonja Pohlmann

Zumindest auf das Informationsbedürfnis der deutschen Bevölkerung hat die Wirtschaftskrise keine negativen Effekte. Um sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren, bleiben Zeitungen für die meisten Menschen unverzichtbar. Täglich lesen 47 Millionen Deutsche ab 14 Jahren Zeitung, das sind 72 Prozent. „Gerade in Krisenzeiten werden Zeitungen als glaubhaftes Leitmedium wahrgenommen werden“, sagte Jörg Laskowski, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) am Donnerstag bei der Jahrespressekonferenz seines Verbandes in Berlin.

Trotzdem verkauften die Zeitungen insgesamt weniger Exemplare. Im ersten Quartal 2009 verringerte sich die verkaufte Auflage im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2,1 Prozent. Bei den Internet-Nutzern konnten die Zeitungen dafür ihre Reichweite im Vergleich zu 2008 um drei Prozentpunkte auf 41 Prozent steigern. Doch der publizistische Erfolg spiegelt sich nicht in den Wirtschaftsdaten der Zeitungen wider.

Die Zahlen des BDZV zeigen, dass die Branche unter der Krise leidet. In den ersten fünf Monaten 2009 sei das Anzeigenvolumen im Vergleich zu 2008 um mehr als zwölf Prozent geschrumpft. Vor allem Stellenanzeigen würden weniger geschaltet, hier betrage das Minus 41 Prozent. Aufgrund des schlechteren Anzeigengeschäfts seien auch die Umsätze gesunken, um rund ein Prozent auf 9,1 Milliarden Euro.

„Das Jahr 2009 wird wohl das bislang schwierigste in der Geschichte“, sagte Dietmar Wolff, BDZV-Hauptgeschäftsführer. Um die Qualitätspresse in der digitalisierten Welt zu erhalten, dürfe es deshalb in der Politik keine Kompromisse mehr geben.

Allerdings lehnt der BDZV staatliche Subventionen, wie sie beispielsweise Opel gewährt wurden, weiterhin ab. Der Verband fordert, den bereits ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent für Zeitungen auf null zu senken. Ebenso erhofft sich der Verband von der neuen Bundesregierung, dass sie das Wettbewerbsrecht lockert. Insbesondere im Anzeigenverkauf müssten neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit eröffnet werden. Die Verlage wollen sich außerdem stärker als bisher am lokalen und regionalen Rundfunk beteiligen.

Wie lange die Krise noch die Branche belasten wird, vermochte Wolff am Donnerstag nicht vorherzusagen. Eine Herausforderung bleibe es für die Verleger daran zu arbeiten, wie sie auch im Netz Geld verdienen können. Viele Nutzer seien nicht bereit, für Inhalte zu zahlen und Werbung alleine sei für die Finanzierung nicht ausreichend. Umso wichtiger sei es deshalb, ein Leistungsschutzrecht zu schaffen. „Wir wollen es nicht länger hinnehmen, dass teuer erstellte Inhalte von Dritten ohne Bedenken kostenlos genutzt werden“, sagte Wolff. „Wir müssen weg von der Gratiskultur hin zu einer starken Zeitungskultur.“ Sonja Pohlmann

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