Medien : Kampf gegen Hitler

Neue Knopp-Reihe zeigt, wieviele Wege in den Widerstand führen

Kerstin Decker

Der Stauffenberg-Film der ARD am vergangenen Mittwoch hatte Rekord-Einschaltquoten. Doch vieles – das Meiste – konnte dieser Film nicht erzählen, nicht einmal über Stauffenberg selber. Außerdem bezeichnet der 20. Juli 1944 einen Endpunkt. Wo liegt der Anfang? Nichts wäre fataler, als den deutschen Widerstand gegen Hitler auf eine Gruppe junger Offiziere zu verengen. Ab heute zeigt Guido Knopp in einer neuen ZDF-Dokumentarreihe, wieviele Wege zu diesem 20. Juli führten.

Aber wo den Anfang setzen? Denn der Widerstand gegen Hitler beginnt, nachdem er gebrochen war. Oder soll man sagen: „präventiv beseitigt“? Sozialdemokraten und Kommunisten waren längst in Konzentrationslagern interniert, emigriert oder bereits tot. Natürlich gehören auch sie zum Widerstand. Und welcher Weg führte zu Georg Elser, mit dem Knopp heute beginnt? „Der einsame Held“ heißt der erste Teil der Reihe „Sie wollten Hitler töten“. Ein einfacher Kunstschreiner aus Königsbronn höhlt über Wochen einen Pfeiler im Münchner Bürgerbräukeller aus und baut eine Sprengladung hinein. Er hat keine Mitwisser.

Einem einzigen Freund vertraut er sich an, einmal, in Andeutungen: „Eugen, wir kriegen keine bessere Zeit und Zukunft in Deutschland, bis die Regierung in die Luft gesprengt ist. Und ich sag’ dir: Ich mach’s, ich tu’s! Aber verrat nichts.“ Es ist ein Archivzeugnis. Georg Elsers Freund ist inzwischen gestorben. Und die Königsbronner selbst? Lange war ihnen der inzwischen berühmteste Königsbronner ein wenig suspekt. Ein Bombenbauer? Ein Vaterlandsverräter aus ihrem Ort? Erst heute sind sie bereit zu reden, erfuhren die Autoren Peter Hartl und Christian Deick. Sie machen auch die unvergleichliche Tragik von Elsers misslungenem Attentatsversuch deutlich. Darum hat ihn Rolf Hochhuth schon vor vielen Jahren den „einsamsten Deutschen“ genannt. Niemand wollte Elser glauben, dass er, ein ganz einfacher Mann, die Tat gewagt hat. Nicht Hitlers Gestapo und nicht die Antifaschisten. Beide hielten den Mann nur für eine Marionette der anderen.

„Der einsame Held“: 20 Uhr 15, ZDF

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