Kampf um das Urheberrecht : Computer werden zu Haushaltsgeräten degradiert

Das EU-Parlament hat das Acta-Abkommen zum Schutz geistiger Eigentumsrechte abgelehnt. Netzaktivisten feiern. Doch der Kampf geht weiter. Der Science-Fiction-Autor Cory Doctorow warnt: Opfer werden am Ende die Computer sein.

Cory Doctorow
Foto: dapd

Cory Doctorow, Jahrgang 1971, ist ein kanadisch-britischer Blogger und Sci-Fi-Autor. Er engagiert sich für die Creative-Commons-Bewegung, die für eine Liberalisierung von Urheberrechten eintritt. Dieser Text ist ein Auszug aus einem Vortrag von Cory Doctorow auf einem Kongress des Chaos Computer Clubs. Der Vortrag wurde stark gekürzt. Die Übersetzung weicht aus Gründen der Verständlichkeit an manchen Stellen vom genauen Wortlaut ab. Text und Übersetzung erscheinen auf Wunsch von Doctorow unter einer Creative-Commons-Lizenz, hier finden Sie eine komplette englische Transkription.

Computer sind erstaunlich. Sie sind so erstaunlich, dass unsere Gesellschaft immer noch versucht, herauszufinden, wofür sie gut sind und wie wir mit ihnen fertig werden sollen. Das bringt mich zuerst zum Urheberrecht.

1. Aus dem Krieg um das Urheberrecht können wir etwas darüber lernen, wie in Zukunft die Kriege um den Computer geführt werden, den Allzweckcomputer, PCs, wie die meisten von uns einen haben.

Am Anfang der Urheberrechtskriege benutzten wir Floppy Discs, die in Plastik- oder Papphüllen steckten, in den Läden an Metallbügeln an der Kasse baumelten und wie Schokoriegel verkauft wurden. Sie waren sehr leicht zu kopieren und sie wurden kopiert, schnell und viel, und zum großen Schmerz derjenigen, die Software herstellten und verkauften.

Also betrat der Kopierschutz die Bühne. Die Hersteller führten kleine physische Fehler auf den Disketten und andere Unannehmlichkeiten ein, damit sie nicht kopiert würden. Doch das ging schief. Die Anti-Kopier-Strategien wurden umso nutzloser, als das Internet begann, sich auszubreiten. Diejenigen, die wussten, wie man die Kopierschutztechnik umgehen konnte, schrieben Software zum Knacken der Dateien die über die Netze verteilt wurde.

So um das Jahr 1996 merkten die Leute in den Schaltstellen der Macht, dass gerade etwas sehr Wichtiges passierte. Wir waren dabei, in die Informationswirtschaft überzugehen – was auch immer das genau heißen mag. Die Mächtigen jedenfalls verstanden darunter ein Wirtschaftssystem, in dem Informationen gekauft und verkauft werden. Die Technologie bot viele neue Möglichkeiten und man malte sich die Märkte aus, die man damit erschließen könnte: Man könnte zum Beispiel digitale Bücher für nur einen Tag verkaufen. Man könnte einen Film für einen Euro verleihen – und dann noch einmal einen Cent nehmen für jede Sekunde, die jemand den Pause-Knopf drücken möchte und so weiter.

Allerdings ist nichts davon möglich, wenn man nicht kontrollieren kann, wie die Leute ihre Computer nutzen und welche Dateien sie austauschen. Es würde ja nichts nutzen, jemandem ein Video für 24 Stunden zu leihen oder ihm das Recht einzuräumen, Musik auf einen iPod zu spielen, wenn man nicht kontrollieren könnte, was er damit macht. Also musste man lernen, wie man Computer davon abhält, bestimmte Programme abzuspielen und wie man Prozesse und Dateien kontrolliert.

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