Medien : Kanal voll für Nachrichten

Der Exportweltmeister braucht ein deutsches Weltspitzenprogramm

Joachim Huber

Der Nachricht soll es im deutschen Fernsehen besser gehen. Die ARD annonciert die Erweiterung des digitalen Programms Eins-Extra in einen Informationskanal, das ZDF legt mit dem Trompetenstoß nach, dass der ZDF-Infokanal ein echter Nachrichtenkanal werden soll. Der aktuelle Stand kann ja nicht befriedigen. Den Anspruch, dass sie Nachrichtensender seien, behaupten n-tv und N 24 mehr, als dass sie ihn erfüllen. Die öffentlich-rechtliche Konkurrenz wollte schon längst – mit den gewaltigen Apparaten von ARD-aktuell und „heute“ im Rücken – einen Nachrichtenkanal an den Start bringen. Das wiederum wollten die Medienpolitiker mit Rücksicht auf n-tv und N 24 nicht, also wurde das Zwitterwesen Phoenix geboren, ein Ereignis- und Dokumentationskanal, dessen Macher das Etikett „Nachrichtenkanal“ selbst unter Folterandrohung nicht in den Mund nehmen. Nun muss der Seufzer über das Desiderat eines deutschen CNN oder eines zum Vorbild genommenen BBC oder eines importierten France 24 nicht zu tief ausfallen, es herrscht kein eklatanter Mangel an Nachrichten im deutschen Fernsehen, was aber fehlt, ist ein Fernsehen, wie es die Inforadios der Republik vorexerzieren: Knopfdruck-News, pure Aktualität, 24 Stunden am Puls des Geschehens, von einer Sekunde zur anderen an der auch fernen Ortsmarke der Nachricht.

Im Überfluss ihrer Mittel und im Bewusstsein eigener Präpotenz beabsichtigen ARD und ZDF, ihre digitalen Programme zu eigenen Nachrichtenkanälen aufzupumpen. Und das gemeinsame Phoenix bleibt das gemeinsame Phoenix. Welcher Unsinn, welche Verschwendung sich da anbahnt. Auch Eins-Extra und ZDF-Infokanal werden es nicht mit eigenen Kräften in die internationale Spitzenklasse schaffen. Phoenix plus Eins-Extra plus ZDF-Infokanal, das bietet sich als Zukunftsprojekt an. Wenn Deutschland die Globalisierung begriffen hat, der Exportweltmeister ist und seine Freiheit am Hindukusch verteidigt, dann kann im Deutsch-TV nicht die Kleinststaaterei triumphieren, nicht jedes Fernsehsystem seine Nachrichten-Folklore als Weltnachrichten-Format deklarieren. Deutschland, zufrieden mit dem ersten Platz in der zweiten Liga der Nachrichtenkanäle? Keine gute Nachricht.

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