Katastrophenfilm : Der Mond ist abgegangen

„Last Impact- Der Einschlag“ – ein deutscher Astronaut rettet die Welt

Markus Ehrenberg
Last Impact - Der Einschlag
Wo ist der Mond?Foto: Sat1

Man mag von Unterhaltung im Privatfernsehen im Allgemeinen und Katastrophenfilmen im Besonderen halten, was man will – festzuhalten ist, dass sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten und Erwartungshorizonte erst mal konsequent zu Ende gebracht werden müssen; und dabei nicht allzu viel wissenschaftlichen Blödsinn verzapfen dürfen. So gesehen ist die deutsch-kanadisch-US-amerikanische Produktion „Last Impact – Der Einschlag“ ein gelungener Film, der von der Lust an der Apokalypse und reichhaltiger Hollywood-Kino-Ausbeutung („Armageddon“, „Deep Impact“) lebt.

Und wo hat es das seit „Raumschiff Orion“ im hiesigen Fernsehen gegeben: Ein deutscher Wissenschaftler und Astronaut rettet die Welt, nachdem ein gigantischer Asteroid auf dem Mond eingeschlagen ist, diesen aus seiner Umlaufbahn katapultiert und auf Kollisionskurs mit der Erde geschickt hat. Mit einer Katastrophe beginnen und dann ganz langsam steigern: Diese Genrenorm lässt sich hier leicht erfüllen. Überflutungen, Erdbeben, Aufhebung der Gravitationskraft – ein internationaler Stab von Wissenschaftlern, der im Auftrag des US-Präsidenten den Super-GAU in nur 39 Tagen abwenden soll, wird angesichts eines immer näher rückenden, völlig losgelösten Mondes an die Grenzen seiner Möglichkeiten gebracht.

Gut, nicht nur die Schwerkraft ist hier aus dem Lot. Das Gleiche lässt sich auch für manche Drehbuchseite und Perspektive (Regie: Mike Rohl) sagen. Da fliegen Menschen, Tiere, Autos, Züge, Flutwellen und Schiffe wie im Raumschiff Orion durch die Gegend, wird manches US-Militär-Haudrauf-Klischee bemüht („Wir erledigen das lieber alleine“), und ob es so eine Art Anti-Antimaterie-Rakete, die den Mond vom Mond aus per Hand in seine angestammte Umlaufbahn zurückschießt, wirklich geben kann, sei jetzt einfach mal dahingestellt. Bei einem Gesamtbudget von 14 Millionen Dollar hätte der eine oder andere Spezialeffekt überzeugender aussehen müssen.

Wichtiger ist jedoch die Botschaft: „Nur vereint lässt sich die Welt retten“ – und das dann eben auch mit zwei richtig guten deutschen Schauspielern: Benjamin Sadler als wissenschaftlich hoch versierter, privat aber eher ungelenker Geologe sowie Florentine Lahme als seine vor lauter Arbeitseifer vernachlässigte schwangere Verlobte, die am Ende mit ansehen muss, was ihr Mann da alleine im Weltraum anzustellen hat. Dazu noch zwei, drei privat-familiäre Verbandelungen unter den Wissenschaftlern (mit Natasha Henstridge, Genre-Fans aus dem Science-Fiction-Klassiker „Species“ bekannt), die dem Katastrophenfilm eine leise, familienaffine Geschichte beigeben.

Hauptdarsteller aber natürlich: der Mond, der im Laufe dieses Zweiteilers immer größer wird und hier alles andere ist als der freundliche Geselle romantischer Abendstunden. Benjamin Sadler soll angeblich noch immer unbefangen zur silbernen Scheibe am Nachthimmel hinaufsehen können und bei Matthias Claudius’ „Der Mond ist aufgegangen“ keine Gänsehaut bekommen: „Nein, ich habe keine Mondphobie davongetragen.“

Eltern, die sich diesen Film mit ihren Kindern zusammen anschauen, dürften danach aber lieber daran erinnern, dass der Mann im Mond ein Guter ist.

„Last Impact – Der Einschlag“, Mittwoch, Sat 1, 20 Uhr 15, 2. Teil am Donnerstag

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