Medien : Katja Weitzenböck im Gespräch: Die Rastlose

Sie haben in Ihrem Leben schon viel von der Welt g

Katja Weitzenböck, 33, ist viel herumgekommen in der Welt. Geboren ist die Schauspielerin mit österreichischem Pass in Tokio, aufgewachsen ist sie in Nürnberg, gelebt und gearbeitet hat sie in Sydney, New York und Mailand.



Sie haben in Ihrem Leben schon viel von der Welt gesehen. Was bedeutet für Sie das Reisen?

Reisen sind ein gutes Mittel, um immer wieder einen Abstand aufzubauen zum eigenen Leben, um den eigenen Stellenwert auch zu relativieren und um sich selbst immer wieder zu hinterfragen. Nur so kann man erkennen, was wirklich wichtig ist.

Was ist Ihnen wirklich wichtig?

Die angesprochene Wachheit, die Fähigkeit, immer bereit zu sein, dazu zu lernen. Und natürlich die Ehrlichkeit zu sich selbst. Allerdings ist das ein ewiger Balance-Akt, ein ewiges Sich-Selbst-Korrigieren.

Betrachtet man Ihren Lebenslauf, dann sind Sie der Prototyp des modernen Menschen. Wo aber ist Ihr Zuhause?

Jetzt ist Berlin mein Zuhause, Berlin ist der Ort, an dem ich sein möchte. Keine andere deutsche Stadt bietet dieses Lebensgefühl. Die Krater und Wunden, die weiten Flächen und die Freiräume, die Lücken, die es erst noch zu füllen gilt, die Möglichkeit, weit schauen zu können, all das tut mir gut und reinigt meinen Geist.

Für diese Erkenntnis sind Sie lange und viel unterwegs gewesen. War diese Rastlosigkeit auch eine Flucht?

Ja, da war zum einen der Wunsch, etwas zu erreichen im Leben, zum anderen aber auch eine Rat- und Rastlosigkeit, ein "Immer weiter, weiter, weiter" und damit ein "Sich-selbst-unter-Druck-setzen". Die Erkenntnis, dass man sich die Wachheit, die ich mir so sehr wünsche, gerade auch in der Ruhe erhalten kann, habe ich erst spät erlangt.

Das Schauspiel-Handwerk haben Sie in Frankreich gelernt und waren dort auch in Kino-Hits wie "Die Besucher" und "Der Großstadtindianer" zu sehen. Warum dann die Rückkehr nach Deutschland?

In diesen Filmen hatte ich nur kleine Röllchen. Weil das Rollenangebot für mich als großer nordischer Typ sehr limitiert war und ich trotz fließendem Französisch immer noch mit Akzent spreche, habe ich mich für Deutschland entschieden. Natürlich wünsche ich mir, irgendwann im europäischen Film mitmischen zu können, im Moment aber bin ich hier am besten aufgehoben.

Sie selbst bekommen meist gute Kritiken. Die Filme, in denen Sie zu sehen sind, dagegen schlechte. Ist das Niveau der Stoffe in Deutschland so mäßig?

Ich möchte dafür niemandem die Schuld zuschieben, aber in der Tat ist das Niveau nicht das Beste. Es liegt sicherlich auch an einem selbst, man muss die Kraft haben, auch mal "Nein" zu sagen zu einem Angebot. Diese Kraft habe ich anfangs nicht aufgebracht, ich war ja auch gar nicht in der Position etwas abzulehnen.

Die mangelnde Qualität der Bücher liegt aber nicht an den Schauspielern ...

"Aus einem guten Drehbuch kann möglicherweise auch ein guter Film werden, aber aus einem schlechten Drehbuch wird niemals ein guter Film", sagt man sicherlich zu Recht. Aber das ist doch auch kein Wunder, wenn man bedenkt, wie schnell Drehbücher heute für den deutschen Markt entwickelt werden müssen. Plot Points werden in aller Eile zusammengeschustert, wie soll unter diesem Druck dann ein ausgefeilter Stoff entstehen?! Auch wenn das ein naiver Wunsch ist: Man sollte nur Sachen erzählen, die einem persönlich am Herzen liegen.

Haben Sie für sich selbst einen solchen Stoff entdeckt?

Ich werde demnächst für meine erste deutschsprachige Kino-Produktion vor der Kamera stehen. "Gebürtig" erzählt von der zweiten Generation nach dem Holocaust, von der Last, die wir tragen müssen und davon, wie man damit umgeht. Ich habe während meiner Zeit im Ausland erlebt, dass die Aufarbeitung des Holocaust in keiner Weise abgeschlossen ist. Und ich habe gelernt, dass niemand, wirklich niemand sagen kann "Hey, was habe ich denn damit zu tun?"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben