Medien : Kaum Hoffnung für Radio Multikulti

Markus Ehrenberg

Radio Multikulti soll zum Jahresende geschlossen werden, 28 festangestellte Mitarbeiter der Welle des Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) sollen in anderen RBB-Sendern aufgefangen werden, das Funkhaus Europa des Westdeutschen Rundfunks (WDR) wird vom 1. Januar 2009 an über die RBB-Frequenz ausgestrahlt und soll dabei auf polnisch, arabisch und russisch ähnliche Inhalte wie Radio Multikulti transportieren – das alles bekräftigte RBB-Intendantin Dagmar Reim auf der Rundfunkratssitzung in Potsdam-Babelsberg am Donnerstag.

Sehr zum Unwillen einiger Rundfunkratsmitglieder und vom Freundeskreis Multikulti. Die im Juni gegründete Hörer-Initiative ließ es sich auch ohne Rederecht nicht nehmen, auf der öffentlichen Sitzung für ihr Anliegen zu werben: die Schließung von Radio Multikulti zu verhindern oder zumindest zu verschieben. Über 20 000 Unterzeichner hätten sich gegen die Schließung gewandt, so Freundeskreis-Sprecher Nikolaus Huss. Auch mit der Intendantin sei Kontakt aufgenommen worden. Sie habe sich aber den Fragen der Initiative nicht stellen wollen.

Diese Fragen stellten in der Sitzung Susanne Stumpenhusen (verdi), Dieter Pienkny (DGB) oder Suat Bakir (Ausländerbeauftragter Berlin-Brandenburg). In der Kritik standen Einsparpotenziale des RBB insgesamt, Qualifikationsangebote für feste und freie Radio-Multikulti-Mitarbeiter sowie der Anspruch der RBB-Chefin, Inhalte für Berliner und Brandenburger mit Migrationshintergrund spürbar in andere RBB-Programme einfließen zu lassen. „Das ist eine Kraftanstrengung des gesamten Hauses“, sagte Dagmar Reim.

Über eines konnte Einigkeit erzielt werden. Der Rundfunkrat stellte den Jahresabschluss 2007 des RBB fest und genehmigte den Geschäftsbericht. Im fünften Jahr seines Bestehens erwirtschaftete der RBB bei Gesamterträgen von 408,8 Millionen Euro und Gesamtaufwendungen von 399,9 Millionen Euro einen Überschuss von 8,9 Millionen Euro – 1,5 Millionen Euro weniger als 2006. Das Eigenkapital des RBB erhöhte sich auf 115 Millionen Euro. Gegenüber 2006 gingen die Erträge aus Rundfunkgebühren um 2,1 Millionen Euro auf 342,2 Millionen Euro zurück. Die Auswirkungen dieser Entwicklung bekommt Radio Multikulti zu spüren. Markus Ehrenberg

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