Medien : Kauz und Weltweiser

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Tom Peuckert verrät,

was Sie nicht verpassen sollten

Reden wir mal über den Exzentriker. Die Häufigkeit, mit der er sich unter das Normalvolk mischt, ist statistisch erfasst. Auf zehntausend Durchschnittsmenschen, so hat eine Studie ermittelt, kommt einer, dessen hervorstechendstes Wesensmerkmal das Anderssein ist. Ein Spinner, ein Kauz, eine ulkige Figur. Oder eben ein Mensch, der weder graues Mittelmaß noch langweilige Normalität verkörpert. Einerseits scheint diese Zahl nicht allzu groß; man selbst hätte ja zuweilen vermutet, dass in jedem von uns ein klammheimlicher Sonderling steckt. Andererseits müsste selbst bei so vorsichtiger Zählung die Welt von etlichen Millionen Exzentrikern bevölkert sein. Grund genug, dieser Spezies eine Lange Nacht im Radio zu widmen. „Käuze – Spinner – schwarze Schafe?“ heißt ein Themenabend von Hannelore Hippe, der uns über die Wesensformen des Exzentrischen belehrt. Wir hören die Stimmen der Wissenschaft, aber auch viele lebende Demonstrationsobjekte. Da ist etwa der Herr, der unbelehrbar in einem vergangenen Jahrhundert lebt. Oder die Dame, die in jeder Situation das genau Unpassende von ihrer Mitwelt verlangt (Deutschlandfunk, 21. September, 23 Uhr 05, UKW 97,7 Mhz).

Wenn man im Kulturradio erst einmal Kauzforschung zu treiben beginnt, scheint das Thema an vielen Stellen präsent. Wir empfehlen „Seancen – oder vom Wunsch, mit dem Jenseits zu sprechen“, ein paranormales Feature von Walter van Rossum (Deutschlandradio, am 21. September um 19 Uhr 05, UKW 89,6 MHz). Und den gescheiten Essay „Wir machen alles neu“ von Bernhard Grom, der über die Welterfindungen der Esoteriker erzählt (SWR 2, 23. September, 21 Uhr, Kabel UKW 107,85 MHz).

Das genaue Gegenteil des Kauzes, der stets in seine private Sicht der Dinge eingesponnen bleibt, ist der Weltweise. Das Wahrnehmungsgenie, der Reflexionsathlet. Jemand, der mit seinen Gedanken unser Seeleninnerstes auszusprechen scheint. Mit anderen Worten, einer wie der amerikanische Schriftsteller Don DeLillo. Dessen Romane haben den Bewohner der kapitalistischen Moderne auf einzigartige Weise porträtiert. „Das Weiße Rauschen der Unterwelt“ heißt ein schönes Feature von Carsten Probst, das mit seinem Titel schon auf zwei große Epen DeLillos anspielt. In ihnen seziert der Autor die gigantischen Systeme von Ökonomie, Technologie und Politik, in denen sich der heutige Mensch auf Gedeih und Verderb einzurichten hat. Wobei sich Gedeih und Verderb stets in einer fragilen Balance befinden. Eine Annäherung an Leben und Werk eines zeitgenössischen Künstlers, der wie kaum ein anderer Geistesgegenwart beweist (SWR 2, 25. September, 21 Uhr).

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