Medien : Kein AOK-Fernsehen

Die Ziele des neuen ARD-Vorsitzenden Gruber

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Herr Gruber, seit Jahresanfang sind Sie Vorsitzender der ARD. Ihr Job wird es doch vor allem sein, den Rotstift anzusetzen?

Ich bin gelernter DiplomKaufmann, dazu noch aus Schwaben. Das sind doch keine schlechten Voraussetzungen für den neuen Job an der Spitze der ARD. Ich weiß, was Geld wert ist. Es stimmt: Wir müssen verzichten und straffen.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück hat von den Öffentlich-Rechtlichen mehr Reformwillen verlangt. Gibt es aus Ihrer Sicht einen Reformstau bei der ARD?

Ich glaube nicht. Ein System muss sich verändern, wenn sich dessen Rahmenbedingungen ändern. Das heißt nicht, dass vorher etwas versäumt wurde. Wir haben uns kontinuierlich weiterentwickelt. Aktuell steht eine Reihe von Reformen an, die wir engagiert vorantreiben.

Werden Sie dann zumindest Ihren bayerischen Bildungskanal BR-alpha einstellen?

Nein, warum sollten wir?

Weil er überflüssig ist.

Das sagen Sie ! An der Wichtigkeit des Themas Bildung besteht ja wohl kein Zweifel. Wer sich mit den Pisa-Studien auseinander setzt, wird einsehen, dass dieses Land mehr für die Bildung tun muss. BR-alpha ist dafür in besonderer Weise prädestiniert. Andererseits müssen wir unsere Kosten reduzieren. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir für BR-alpha neue Partner finden. Wir kooperieren ja bereits mit dem SWR und den Kollegen vom ORF. Aber ich kann mir auch andere Gesellschafter vorstellen.

Wie viel kostet so ein Minisender, dessen Programme oftmals nur von ein paar tausend Menschen gesehen werden?

Der Etat von BR-alpha beläuft sich auf 18 Millionen Euro im Jahr. Aus den Rundfunkgebühren bekommen wir lediglich drei Millionen Euro. Den Rest müssen wir durch Umschichtungen im BR aufbringen.

Trotz öffentlicher Ankündigungen eines harten Sparkurses haben Sie aber noch genügend Geld, um Harald Schmidt für die ARD zu verpflichten.

Es freut mich, dass Harald Schmidt wiederkommt. Denn er passt gut zu uns. Wir werden ihn übrigens nicht nur mittwochs und donnerstags einsetzen, denn sein Millionenhonorar umfasst nicht nur zwei Late-Night-Shows.

Was denn noch?

Harald Schmidt wird auch in den Hörfunkprogrammen der ARD vorkommen. Außerdem steht er für Sonderprogramme im Fernsehen zur Verfügung. Das Geld für ihn nehmen wir aus dem Sportetat. Diese Umorientierung finde ich vertretbar.

Heißt das im Umkehrschluss, dass Sie in der ARD künftig weniger für Sport ausgeben werden?

Ja. Aber es wird selbstverständlich keinen Rückzug aus dem Sport geben. Um die Rechte an großen Sportereignissen werden wir uns auch künftig bemühen.

Die ARD ist zuletzt wegen starker Sponsoring-Aktivitäten besonders bei Sportübertragungen in die Kritik geraten. Wird es bald einen „sauberen“ Bildschirm geben ?

Es geht ja nicht nur um Sponsoring. Wir müssen sehr aufpassen, dass wir uns nicht unglaubwürdig machen. Sündenfälle wie „Bunte-TV“ haben wir schnell wieder eingestellt. Für das erste Halbjahr planen wir eine Programmklausur mit allen ARD-Verantwortlichen. Da wollen wir grundsätzliche Fragen klären.

Ist für „Das Erste“ das Bayerische Fernsehen ein Modell, das mit einem seriösen Programm aus Dokumentationen, Nachrichten und anspruchsvoller Unterhaltung Erfolg im Wettbewerb mit der privaten Konkurrenz hat?

Alles, was zur Verwechselbarkeit der ARD führt, halte ich für falsch. Die ARD muss bewusst anders sein. Nur dann können wir es rechtfertigen, wenn wir einmal nicht die Marktführerschaft erringen. Wir dürfen aber auch nicht die AOK des Fernsehens werden. Nur Grundversorgung im Sinne von „gesendet wird, was sein muss“ ist nicht das Ziel.

Die Fragen stellten Caspar Busse und Hans-Peter Siebenhaar (Handelsblatt).

Thomas Gruber , 61, ist seit 1. Januar 2005 Vorsitzender der ARD, zunächst für ein Jahr. In seinem „Hauptberuf“ ist der Schwabe Intendant des Bayerischen Rundfunks.

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