Medien : „Kein Hully Gully“

Intendant Ernst Elitz über Deutschlandradio digital

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Die Privatfunklobby wirft dem Deutschlandradio vor, mit „D-Plus“ ein drittes digitales Radioprogramm quasi unzulässig auszustrahlen. Trifft Sie dieser Vorwurf?

Mich freut die Aufmerksamkeit. Von neun bis 13 Uhr strahlen wir wochentags über DAB Bundestagsdebatten und öffentliche Diskussionen aus. Wir wiederholen von Deutschlandradio veranstaltete attraktive Gesprächsrunden wie Länder- und Wissenschaftsforen und politische Hintergrundsendungen. Wer eine Sendung gestern verpasst hat, kann sie heute hier wiederfinden. Das fordert die Politik ständig von uns: Bietet was über DAB, macht DAB attraktiv. Wir machen es, ohne dass wir dafür eine Sendestunde neu produzieren.

Unwahrscheinlich, dass damit das umstrittene DAB seinen Siegeszug antritt …

… aber man muss es versuchen. Die Medienpolitik hat die digitale Wegweisung ausgegeben. Die KEF hat dafür Gebührenmittel bewilligt. Wir sind nicht die Typen, die sich zurücklehnen.

Die EU-Kommission hat mit ihrer Entscheidung den öffentlich-rechtlichen Sendern den Weg in die digitale Welt eröffnet. Wohin geht der Nationale Hörfunk?

Wir wollen nicht fünf Digital-Programme auflegen wie der Bayerische Rundfunk. Aber wir haben uns an die Rundfunkkommission der Länder mit der Bitte gewandt, auch dem Nationalen Hörfunk wie jetzt schon den Regionalsendern die staatsvertragliche Möglichkeit für ergänzende digitale Zusatzangebote zu öffnen – bei uns mit den Schwerpunkten Information, Bildung und Kultur. Das sind unsere Themen. Kein Hully Gully. Was regional, was national gemacht wird – darüber werden wir uns mit den Landesrundfunkanstalten abstimmen.

Warum muss das Deutschlandradio seine Angebote digital vermehren? Gibt es schon jetzt nichts mehr in den bestehenden Programmen zu verbessern?

Wir ändern ständig: Gedichte im Deutschlandfunk, Kurzhörspiele im Deutschlandradio Kultur, demnächst ein neues Wochenendprogramm. Wenn wir die Verdoppelung der Hörerzahlen aus den letzten Jahren zum Maßstab nehmen, dann müsste sich auch die Qualität unserer werbefreien Informations- und Kulturangebote verdoppelt haben. Das wäre zu schön. Aber dass wir uns ständig was Neues einfallen lassen, das wird vom Publikum honoriert.

Brüssel fordert ein dreistufiges Verfahren für die Genehmigung digitaler Aktivitäten. Auch die Gremien eines Senders sollen darüber entscheiden. Ist das nicht naiv? Die Rundfunkräte werden einer Senderspitze niemals in den Arm fallen.

Die Gremien sitzen nicht auf dem Soziussitz der Intendanten. Sie sind das kritische Gegenüber. Sie müssen sich sachkundigen Rat auch von außen holen. Die Privaten dürfen sich ebenfalls zu den Vorhaben der Öffentlich-Rechtlichen äußern. Umgekehrt ist das leider nicht vorgesehen. In einer dritten Stufe prüft die Landespolitik, ob alles rechtens ist. Angesichts dieser Verkomplizierung werden wir glücklich sein, wenn überhaupt noch Neues passiert. Aber vielleicht war es auch die Absicht, genau das zu verhindern.

Ernst Elitz ist

Intendant von Deutschlandradio

Kultur und

Deutschlandfunk.

Mit ihm sprach

Joachim Huber.

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