Medien : Kein Mann zum Füßekraulen

NAME

Von Gerti Schoen

und Joachim Huber

Am Montagabend war es soweit: Die ewig einsame Ally McBeal ist abgetreten und hat dennoch den Mann fürs Leben nicht gefunden. Stattdessen kündigt der notorisch beziehungsunfähige Fish (Greg Germann) seine Heirat mit Liza Bump (Gaststar: Christina Ricci) an. Ally und die anderen Mitglieder der Anwaltskanzlei fallen aus allen Wolken.

Calista Flockhart hatte vor fünf Jahren in ihrer Rolle als schicke, aber notorisch unsichere Rechtsanwältin Ally McBeal Herz und Verstand aller mitleidenden Singles der westlichen Fernsehwelt erobert. Zugleich hat sie sich den Unmut vieler Feministinnen zugezogen. Die Abschlussepisode, die zur besten Sendezeit im Fox-Programm lief, bestätigt die Single-Sicht der Beziehung zwischen Mann und Frau: Als Fish seine Heirat annonciert, starrt ihn und seine Holde das versammelte Team der Kanzlei ungläubig an. Weil niemand in Begeisterungsstürme ausbrechen will, gibt seine Braut zum Besten: „Ihr wisst ja, ist man erst mal über 30, ist es wahrscheinlicher, dass man von einem Flugzeug getroffen wird als zu heiraten."

Warum die anfangs so populäre „Ally McBeal“ nun dennoch eines der prominentesten Quotenopfer der TV-Saison in den Staaten geworden ist, darüber zerbrechen sich die Amerikaner seit Bekanntwerden ihres Abgangs vor einigen Wochen die Köpfe. Ally war eine traurige Figur, weil sie stets unerreichbaren Männern hinterherschmachtete und sich in den treuesten ihrer Begleiter, ihren Anwalts-Partner Cage (Peter MacNicol), einfach nicht verlieben konnte. Doch genau mit diesem tragikomischen Liebes-Leiden traf sie den Nerv einer ganzen Generation moderner junger Frauen, die sich mit Allys Hadern identifizieren konnte.

Die Suche nach dem Mann fürs Leben ging gut, solange da noch die große Liebe ihres Lebens, Kollege Billy (Gil Bellows) im (Fernseh-)Bild war, der zwar eine andere heiratete, aber trotzdem eine gewisse Stabilität in ihr Leiden brachte. Als Billy von einem Gehirntumor dahingerafft wurde, ging es mit den Quoten bergab. Für ein vorübergehendes Wiederaufleben ihrer Popularität sorgte zwischendurch Robert Downey Jr., dessen Präsenz als Liebhaber Larry nicht nur Ally, sondern ein Millionenpublikum in den Bann zog. Doch Downeys wohldokumentierten Alkohol- und Drogenprobleme veranlassten die Produzenten, ihn nach einer Saison wieder aus der Show zu nehmen. Allys Kampf begann von Neuem.

Neuen Wind versprachen sich die Macher vom Auftauchen einer zehnjährigen Tochter, die eines Tages vor Allys Tür stand und diese zu einem Ohnmachtsanfall veranlasste. Des Rätsels Lösung: Ally hatte in jungen Jahren einen hübschen Batzen Geld damit verdient, dass sie sich in einer Fertilitätsklinik Eizellen hatte entnehmen lassen, um sie einem unfruchbaren Paar zu spenden. Diese Tochter Maddie bringt Ally zu der vom Mutterinstinkt gesteuerten Entscheidung: Sie zieht zu ihr nach New York und gibt die Karriere in der Bostoner Anwaltskanzlei auf.

Der Abschied von der seltsamen Kollegen-Sammlung in der einstündigen Abschlusssendung ist tränenreich. Dabei waren die salzigen Spuren auf den Wangen der Schauspieler wahrscheinlich nicht mal gespielt. Nachdem mitgeteilt worden war, dass „Ally McBeal“ nach fünf Jahren enden wird, habe es auch am Set „jede Menge Tränen“ gegeben, hatte ein Sprecher der Produktionsfirma 20th Century Fox Television gesagt.

„Alles, was ich wollte, waren drei Kinder und ein Ehemann, der mir abends die Füße krault. Und jetzt schau mich an: Ich mag noch nicht mal meinen Haarschnitt.“ Mit diesem Seufzer vor dem Spiegel bringt Ally die Quintessenz der Comedy auf den Punkt. In der Abschiedsfolge zog Drehbuchautor David E. Kelley nochmal alle Register: Die besten Fantasie-Sequenzen werden im Rückblick gezeigt – nie war beispielsweise der Spruch „ich könnte dir den Kopf abreißen“ so wörtlich genommen worden. Auch das computeranimierte Baby feierte ein Comeback: diesmal in Gestalt von New Yorks Ex-Bürgermeister Rudolph Giuliani, Senatorin Hillary Clinton und Ex-Präsident Bill Clinton. Auch Freunde, Liebhaber und Gaststars aus früheren Staffeln tauchen auf. Nur für Larry alias Robert Downey Jr. gab es keine Chance mehr.

Die Geschichten um das turbulente Liebesleben der neurotischen Anwältin haben auch in Deutschland für Begeisterung gesorgt. Für die Ally-Begeisterten gibt es diverse Fanseiten im Internet, außerdem trafen sich die Fans zu tausenden bei den vom Kölner Sender Vox in mehreren Großstädten veranstalteten Ally-Partys. Für die deutschen Fans heißt es im Frühjahr 2003 Abschied nehmen. Dann läuft bei Vox die letzte Folge von „Ally McBeal“.

0 Kommentare

Neuester Kommentar