Medien : Kein Routenplaner für NPD

ZDF sucht den richtigen Umgang mit den Neonazis

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Sonntag, 13. Februar, Dresden: Gedenken an die Bombennächte mit 50 000 Teilnehmern, parallel die größte NeonaziDemonstration seit Jahren. Das ZDF versteht die Ereignisse nur als Nachrichten und packt sie in „heute“ und „heute-journal“. Reicht das?

Das ZDF fasste die Ereignisse von Dresden in „heute“ und „heute-journal“, das politische Magazin „Berlin direkt“ hatte den Schwerpunkt seiner Sendung auf dieses Thema gelegt. Und ebenso befasste sich „Mona Lisa“ mit dem Gedenken an die Bombennacht vor 60 Jahren.

Wo muss der Fokus liegen, bei den 50 000 Teilnehmern oder den 5000 Neonazis?

Der Fokus lag auf den Dresdner Bürgerinitiativen um Gedenken und Verzeihen. So wenig wie die Neonazis die nachdenkliche Stimmung des Tages in Dresden kippen konnten, so wenig konnten sie unsere Berichterstattung beherrschen.

Am 14. September 2004 wurde die NPD in den sächsischen Landtag gewählt. Am Wahlabend waren die Fernsehjournalisten entsprechend empört und hilflos. Kann das Fernsehen, kann das ZDF mittlerweile mit den Rechtsextremisten umgehen?

Wenn das ZDF den richtigen Weg im Umgang mit den Rechtsextremisten wüsste, wäre das Problem gelöst. Die Suche nach der richtigen Methode verbindet das ZDF mit Zeitungen, Politik und vielen gesellschaftlichen Organisationen. Aber wir überprüfen unsere Programme über den Rechtsextremismus ständig und schulen unsere Mitarbeiter.

Generell gesehen: Machen die Medien die NPD größer, als die Partei ist?

Wenn die Medien dem Propaganda-Aktionismus der NPD auf den Leim gehen, dann füttern sie die Rechtsextremisten kostenlos an. Die NPD-Funktionäre reiben sich jetzt schon die Hände. Aufklärung aber macht die Partei nicht groß.

Der 8. Mai, 60. Jahrestag der Kapitulation, fällt 2005 auf einen Sonntag, der zugleich auch der Muttertag ist. In welcher Spanne werden sich die Informationsprogramme des ZDF an diesem Tag bewegen?

Wir werden den Rechtsextremisten nicht durch frühzeitige Programmankündigungen einen Routenplaner für Aktionen zur Verfügung stellen.

Die Fragen stellte Joachim Huber.

Nikolaus Brender , 56, ist Chefredakteur

des Zweiten Deutschen Fernsehens

ins Mainz.

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