Medien : Kein Zimmer für Cherno

Fünf Jahre im Giftschrank: Der WDR zeigt Sendung mit Jobatey

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Legenden. So heißt eine ARDReihe, die zeigt, wie John F. Kennedy oder Marilyn Monroe wirklich waren. Vielleicht sollte sich das Erste mal im eigenem Haus umschauen, am Sonntagabend läuft im WDR eine Show, um die sich wahrlich Legenden ranken: die fast fünf Jahre unter Verschluss gehaltene Folge des Erfolgsformats „Zimmer frei“. Prominenter Gast, der ein WG-Zimmer bei Christine Westermann und Götz Alsmann sucht: Cherno Jobatey.

Was wurde über diese Ausgabe nicht alles kolportiert? Die beiden Moderatoren hätten sich über Jobatey lustig gemacht, indem sie ihm ABC-Pflaster gezeigt und Buchstabensuppe zu essen gaben, anspielend auf die Legasthenie des ZDF- und RBB-Kollegen. Daraufhin sei dieser aufgestanden und hätte für zehn Minuten das Studio verlassen. Angeblich hatte der Gast keinen Spaß verstanden und die Ausstrahlung der Ausgabe verboten.

Stimmt alles gar nicht, sagt Jobatey. Aufs Thema angesprochen, klingt er so, als wüsste er nicht genau, ob er sich jetzt über die späte Ausstrahlung der Sendung ärgern oder doch lieber freuen soll, dass endlich mit der Legendenbildung aufgeräumt werden kann. „Ich bin nur aufgestanden und habe hinter der Kamera Faxen gemacht, um die Kollegen zu ärgern. Ich hoffe, dass die Sendung jetzt unverändert gesendet wird. In Pressestatements spricht der WDR von zehn Minuten ohne Cherno, es waren aber höchstens ein bis zwei Minuten." Verboten habe er die Ausstrahlung auch nicht, wie Götz Alsmann immer wieder behauptet. Allerdings finde es Jobatey weiterhin wenig lustig, „Sendungen auf der Verhöhnung von Behinderungen aufzubauen“. Außerdem habe ihn niemand kontaktiert oder sein Einverständnis eingeholt, ob das Video nun ausgestrahlt werden dürfe, wie der WDR behauptet. Und eigentlich sei diese Folge sowieso „sterbenslangweilig“.

Klingt nicht gerade nach einem entspannten Gast/Gastgeber-Verhältnis. Doch Jobatey hat 1999 gleich nach der Sendung einen Vertrag unterzeichnet, in dem er der Ausstrahlung zugestimmt habe, teilt der WDR mit. Daher wird man am Sonntag wohl Zeuge eines einmaligen Stücks Fernsehgeschichte.

Eine öffentliche Vorführung? So schlimm ist die Show nicht. Fies ist höchstens das Studiopublikum, das am Ende immer abstimmt, ob ein Gast in die virtuelle WG aufgenommen wird: Es zeigte Cherno die rote Karte. Fragt sich nur, warum der WDR die Ärger-Sendung ausgerechnet jetzt, nach fünf Jahren, aus dem Giftschrank geholt hat, zudem sich auf der „Zimmer- Frei“-Homepage kein Hinweis auf die legendären Hintergründe findet. Schämt sich WDR–Unterhaltungschef Axel Beyer vielleicht doch ein bisschen? Sind alle Promis bei „Zimmer frei“ durch? Zeit für Konserven? Angeblich hätten die Zuschauer nach Jobatey verlangt. Sagt der WDR. Vor Weihnachten kommt noch Pfarrer Fliege. Vielleicht hat der eine Antwort und stiftet Frieden.meh

„Zimmer frei“: Sonntag, 23 Uhr im WDR Fernsehen

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