Medien : Keine Chance für die Liebe

Joachim Huber

Das Datum der Terroranschläge stellt auch bei der medialen Inszenierung von Politikern einen Bruch dar. Vor New York wollte sich der deutsche Verteidigungsminister noch als Rudolf "The Pool" Scharping ein neues, ein menschlich-sympathisches Image zulegen. Nach New York fand dieses Unterfangen und mit ihm die Kritik an dem wagemutigen Auftritt ein schnelles Ende.

Nur noch ganz wenige PR-Berater gestehen Politikern "Gags" zu. Moritz Hunzinger ist einer von ihnen. Während des Panels "Die Stars der Spin Doctors: Politik und mediale Inszenierung - oder wer beeinflusst wen?" bei den Medientagen in München meinte Hunzinger, dass Bilder wie die von Scharpings Urlaub in der Medienbranche "Hunderte von Arbeitsplätzen gesichert haben". Bestimmt auch in seinem Unternehmen, in dem wie in anderen PR-Agenturen mittlerweile die Sorge umgeht, dass ein über beide Ohren verliebter Rudolf Scharping oder ein Videoclip über "Sparkommissar" Hans Eichel nicht mehr gefragt sei. "Es gibt eine neue Ernsthaftigkeit nach Scharping und nach dem 11. September", sagte Peter Limbourg, Chefredakteur des Nachrichtensenders N 24.

Für Hunzinger und seine Branche kam es an diesem Freitagmorgen noch schlimmer. Andreas Fritzenkötter, Leiter Kommunikation und Presse der Bauer Verlagsgruppe ("Neue Revue", "Tina", "TV Movie"), stellte fest: "Ich kenne keine wirkliche politische Entscheidung, die durch eine Medien-Inszenierung vorbereitet worden ist." Für Fritzenkötter gilt diese Beobachtung für die Kanzlerschaft Helmut Kohls, für den er als Berater arbeitete, und auch für die Regierung Schröder. Die Runde war sich einig, dass ein "Spin Doctor", ein Strippenzieher, einen Menschen und sein Image in der Öffentlichkeit nicht umdrehen könne. Das Publikum habe ein fein entwickeltes Gespür für die Rolle eines Politikers: "Er muss sich treu bleiben", sagte Fritzenkötter. Der gute "Spin Doctor" kann nach Limbourgs Ansicht nur verhindern, dass "sein Mann, seine Frau Unsinn redet". Als "missglückt" bezeichnete N 24-Chefredakteur etwa die Aussage von CDU-Fraktionschef Friedrich Merz, der Bundesfinanzminister Eichel einen "Trittbrettfahrer des Terrorismus" genannt hatte und sich dafür entschuldigen musste. Auch könne kein Medienberater aus Frank Steffel, Spitzenkandidat der Berliner CDU, einen "Kennedy von der Spree" machen.

In der späteren Diskussion kam auch Moritz Hunzinger zum Schluss, "Image ist nicht planbar". Aber seine Profession in Frage stellen, das will der Frankfurter Unternehmer nicht: Mit CDU-Chefin Angela Merkel will er "ein Leistungsversprechen verbinden, das sie unverwechselbar macht". Hunzinger denkt freilich über Merkel hinaus. Er prognostizierte für den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch eine große Zukunft. Ja, vielleicht sogar mit ihm, Moritz Hunzinger, als "Spin Doctor": "Schließlich waren wir zusammen in der Schule".

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