Keine Förderung : Schule ohne Klasse

Ausbildung an der Berliner Journalistenschule (BJS) 2010 stark gefährdet

Sonja Pohlmann

Die Bewerber hatten noch eine Warnung bekommen: Es könne sein, dass im April 2010 keine Ausbildung an der Berliner Journalistenschule (BJS) angeboten werde, hieß es in der E-Mail, die ihnen mit den Unterlagen mitgeschickt wurde – die Befürchtung wird sich nun wohl bewahrheiten. Eine Enttäuschung für die 1500 jungen Männer und Frauen, die einen der 16 Plätze an der BJS ergattern wollten. Für die Schule aber ist es ein heftiger Niederschlag: Schon zum zweiten Mal in Folge wird sie vermutlich keine Ausbildung anbieten, weil ihr das Geld fehlt.

2008 war die Förderung durch den Berliner Senat nach fünf Jahren ausgelaufen – die bisherige Hauptfinanzierungsquelle für die Ausbildung, nachdem der Deutsche Journalisten-Verband Berlin die Schule nicht mehr weiter unterstützen konnte. 140 000 Euro hatte die BJS von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, teilweise ergänzt durch Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds, 2008 bekommen. Weil es sich dabei um eine Projektförderung gehandelt hatte, konnte die Unterstützung des Senats nicht weiter fortgesetzt werden. Einen eigenen Titel im Haushalt kann die Schule nicht bekommen, da es sich sonst um eine Dauerförderung handeln würde. Eine solche Förderung ist laut Senatssprecher Richard Meng aus rechtlichen – und finanziellen – Gründen nicht möglich. „Wir würden es aber begrüßen, wenn die Schule ihre verlagsunabhängige Ausbildung weiterhin anbieten kann“, sagte Meng.

BJS-Leiter Manfred Volkmar muss sich nun nach alternativen Einnahmequellen, beispielsweise Unterstützung durch Sponsoren umschauen. Allerdings war ihm dies schon im vergangenen Jahr nicht in ausreichendem Maß gelungen, weshalb im April 2009 keine Klasse starten konnte. Zwar hat die Schule mit einem Aus- und Fortbildungsprogramm ein weiteres Standbein – rund 1200 Teilnehmer aus Unternehmen, Verbänden oder Verlagen sind hier 2009 in Kursen zu Journalismus und Öffentlichkeitarbeit weitergebildet worden – doch der Betrag reicht nicht aus, um eine Klasse zu finanzieren.

Vorerst einzige Möglichkeit ist nun, dass die Schule ein neues Projekt im Rahmen ihres Programms entwickelt, das vom Senat gefördert werden könnte. Ob ein solcher Antrag Aussicht auf Erfolg hat, weiß Meng jedoch nicht. Für die Klasse 2010 wird die Zeit knapp. Für 2011 hofft Volkmar aber, keine Warnungen mehr verfassen zu müssen. Sonja Pohlmann

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