Medien : „Keine Tränendrüsennummern“

Oliver Pocher über Kerners Stepptanz, den Papst und seinen Jahresrückblick auf Pro 7

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Herr Pocher, warum wird Ihr Jahresrückblick besser als die von Kerner und Jauch?

Wir machen keine Tränendrüsendrückernummern und lassen die etwas dramatischeren Dinge des Jahres knallhart außen vor. Das macht es natürlich wesentlich lustiger – oder zumindest geplant und gewollt lustiger.

Nur gewollt lustig?

Natürlich ist es lustig. Aber die anderen sind ja auch zum Teil unfreiwillig lustig. Wenn Herr Kerner mit einer 80-Jährigen steppt, hat das auch seine Komik.

Was hat Sie 2005 im Fernsehen am meisten beeindruckt?

Die Vermarktung von Sarah Connors Hochzeit bei Pro 7 war für mich das mediale Ereignis des Jahres. Da hat man gesehen, wie man wahre Liebe kommerziell ausschlachten kann.

Wie viele Taschentücher haben Sie dabei verbraucht?

Einige, einige. Ich sage aber nicht wofür.

Wer ist Ihr B-Promi des Jahres – mal abgesehen von Sarah Connor und von ...

... und von mir natürlich. Mehr als ich kann man den Status eines B-Promis nicht nach oben bringen. Ich habe das Wort salonfähig gemacht ...

Sie sind also der Vater der B-Promis.

Absolut. Und meine Lieblingsschlagzeile ist IMMER: „Ja! Es ist Liebe!“ Ob Uschi Glas, Mariella Ahrens oder andere: Da sind die Richtigen zusammengekommen.

Wer hat sie 2005 wirklich beeindruckt?

Angela Merkel und Matthias Platzeck. Platzeck kannte vor vier Monaten fast niemand. Jetzt ist er der beliebteste Politiker. Ich finde auch, dass Merkel eine gute Figur macht. Der erste Schockeffekt „Oh Gott, nicht die!“ ist vorbei. Jetzt denkt man: „Och Mensch, so schlecht ist die gar nicht.“ Ich finde auch Witze über ihre Optik nicht mehr so unglaublich spannend.

Aber Sie haben selbst eine Merkel-Imitatorin in der Sendung, Herr Pocher!

Das war das Original! Das wird Frau Merkel sehr wehtun, dass Sie das sagen!

Sie waren Zeuge Jehovas und bezeichnen sich heute als gläubigen Christen. Wie haben Sie die Papstwahl gesehen?

Für mich war das tendenziell lächerlich. Ich fand das mediale Drumherum um das Ableben des alten Papsts viel interessanter, als die Medien vier Tage geierten, dass da endlich Feierabend ist. Der Neue ist eine Übergangslösung, da packt der eine oder andere schon wieder Klamotten für Rom. Er hat auch nichts Neues gebracht. Für ein Heimspiel wie den Kölner Weltjugendtag hat es noch gereicht.

Viele waren sehr beeindruckt.

Ich habe das in Köln miterlebt. Das war auch alles ganz toll, aber wenn man schon mal feiert, ist es egal, um wen es geht. Dann gab es da ja noch Papst hoch zwei: Der eine hat von oben zugeguckt und gewunken, der andere hat unten den Rest gemacht und gewunken. Das war schon sehr affig.

Für Sie selbst gab es 2005 viel Auf und Ab.

Ich kann mich weder privat noch beruflich beklagen.

Die Klage einer „Wetten-dass?“-Zuschauerin läuft noch. Sie hatten ihr zu einer Schönheits-OP geraten.

Wenn man Prozesse hat, nervt das immer so ein bisschen, die halten so ein bisschen auf. Wenn überhaupt, dann war das im letzten Jahr das Unangenehmste.

Eine Zeitung nannte Sie kürzlich einen Rohdiamanten der TV-Unterhaltung.

Es gibt aber auch genug Leute, die halten mich für eine falsche Rolex, für den größten Schrott. Nach der Media-Markt-Werbung gab es um mich einen Hype. Rohdiamant ... wichtig ist, dass das kein Strohfeuer ist. Das habe ich 2005 geschafft. 2006 wird es nicht weniger. Ich reise als WM-Botschafter Hannovers in Teilnehmer-Länder und werde wohl täglich auf dem Sender sein.

Ist die Prime Time für Sie noch zu früh?

Ich fühle mich im Spätprogramm wohl. Zur Prime Time ist ein anderer Humor gefordert. Man wird anders beäugt – den Stress will ich nicht.

Das Interview führte

Fabian Grabowsky.

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