Kennedy-Mord : Die Schützenfrage

Das ZDF zeigt eine weitere Dokumentation über das Attentat auf Kennedy. Und es wird immer schiweriger, die These vom Einzeltäter Lee Harvey Oswald aufrecht zu erhalten.

Kerstin Decker
Kennedy
Kurz vor der Tat. US-Präsident Kennedy mit seiner Frau Jacqueline 1963 in Dallas. -Foto: picture-alliance/dpa

Manche nennen ihn den größten ungelösten Mordfall des 20. Jahrhunderts: den Kennedy-Mord am 22. November 1963. Das ist seltsam, einerseits. Denn der 35. Präsident der USA starb gewissermaßen vor laufenden Kameras. Jeder, der einen Fotoapparat besaß, wollte dabei sein, als der Präsident im offenen Wagen durch Dallas fuhr. Genauso hatte John F. Kennedy sich das vorgestellt, denn seine Umfragewerte in Texas waren miserabel. Wenn die Leute mich sehen können, so dachte er, dann werden sie mich wählen! Ein nicht gerade anspruchsvolles Bild vom Wähler – doch es erklärt den offenen Wagen trotz eines knapp verhinderten Attentats Wochen zuvor.

Niemand bestreitet, dass Lee Harvey Oswald, Sympathisant der Sowjetunion und verheiratet mit einer Russin, auf Kennedy geschossen hat – auch nicht diese neue ZDF-Folge von „Mythos und Wahrheit“, in der es um den Kennedy-Mord geht. Fast ganz Amerika glaubte damals, Oswald habe im Auftrag Fidel Castros gehandelt. Die Frage ist nur: war es Oswald wirklich allein?

Der Regisseur Oliver Stone hat aus diesem Zweifel 1991 einen ziemlich erfolgreichen Film gemacht „JFK – Tatort Dallas“. Stone: „Wir haben den Präsidenten in unserem Film 25-mal umgebracht. Wir haben aus allen Winkeln geschossen. Es war unmöglich, einfach unmöglich für einen einzelnen Menschen, das zu tun, was Oswald getan hat – physikalisch unmöglich.“ Stone scheint also auch an eine Verschwörung zu glauben, aber warum? Und warum wurden unmittelbar nach dem Attentat Augen- und Ohrenzeugen verpflichtet, zu vergessen, was sie gesehen und gehört hatten? Im Interesse des Vaterlandes, wie ihnen gesagt wurde.

Auch nach Jörg Müllners und Jean- Christoph Carons sehr auf Effekt geschnittenem und mit etwas nervigen Aktionsgeräuschen versehenen Film „Der Kennedy-Mord“ bleiben Fragen offen. Obwohl Müllner und Caron das alte Filmmaterial noch einmal besonders hochauflösend belichteten und viele bis dato zurückgehaltene Akten in letzter Zeit ans Licht gekommen sind, auch als Folge von Stones Film. Gute Voraussetzungen für einen Dokumentarfilm. Computersimulationen zeigen, es gab mehrere Schützen.

Die Autoren sagen: Nicht Fidel Castro stand hinter Oswald, es war die Mafia. Oder vielleicht hat der US-Präsident, der sogar Geheimverhandlungen mit Castro führte, noch ganz andere Kreise gestört. So ist der Dokumentation zu Folge Kennedys Schädel präpariert worden, um Spuren einer weiteren Kugel unkenntlich zu machen. Wer diese Knopp’sche Reihe sieht, wird irgendwann selbst zu einem Verschwörungstheoretiker. Kerstin Decker

„Der Kennedy-Mord. Mythos und Wahrheit“, ZDF, 20 Uhr 15

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