Medien : Kerner gegen Christiansen? ARD-Programmchef Struve: Das ZDF ist nervös

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Herr Struve, was passiert, wenn das ZDF seine Drohung wahrmacht und am Sonntag „Johannes B. Kerner“ zeitgleich gegen „Sabine Christiansen“ ausstrahlt?

Dann passiert es. Aber es wäre wenig souverän. Auch jetzt schon setzt das ZDF Unterhaltung gegen unseren politischen Talk, am vergangenen Sonntag zum Beispiel die Gala „Sportler des Jahres“. Ich würde Kerner gegen Christiansen nicht begrüßen, aber meine Macht über das ZDF ist sehr begrenzt.

Immerhin, das Zweite kann „Christiansen“ erfolgreich attackieren. Alles nur zufällige Triumphe des Zweiten?

Das ZDF macht am Sonntag sein Programm, wir machen unseres. Das ZDF setzt seine Pilcher-Filme gegen unseren „Tatort“, und wenn es das am späteren Abend fortsetzt - weichere Formen gegen härtere Formen -, dann ist das eben die Politik des ZDF. Das ZDF setzt auf Bonbonfarben, auch im Programm.

ZDF-Programmchef Thomas Bellut sieht eine „Kette von Kampfprogrammierungen“ der ARD: die „Tagesthemen“ um 22 Uhr 15 und nahe beim „heute-journal“, der ARD-„Bericht aus Berlin“ knapp vor „Berlin direkt“ des ZDF. Sind das wirklich die Pläne der ARD oder ist Bellut nur nervös?

Das ist im Wesentlichen Nervosität. 21 Uhr 45 ist schon immer unsere Infoschiene für Magazine, Dokumentationen und Feature. Das ZDF hat „heute“ auf 19 Uhr und damit eine Stunde vor unsere „Tagesschau“ gesetzt. Haben wir uns jemals beklagt? Zu den „Tagesthemen“: Vor 2006 wird die Sendung nicht um 22 Uhr 15 ausgestrahlt.

Das wird das ZDF nicht beruhigen.

Das „heute-journal“ endet um 22 Uhr 15, just zu diesem Zeitpunkt würden dann die „Tagesthemen“ starten. Können Sie mir erläutern, was daran herausfordernd, unerhört, gemein ist?

Bellut könnte argumentieren, dass bei den näher zueinander gerückten Startpunkten der Zuschauer die Qual der Wahl hätte.

Mir erschließt sich die Logik nicht, auch wenn es so käme. Selbst wenn der „Bericht aus Berlin“ vor „Berlin direkt“ des ZDF kommen würde, dann würden schon wegen der späteren Sendezeit mehr Zuschauer beim ZDF-Produkt einschalten. „Kampfprogrammierung“ heißt, gezielt gegen den anderen etwas einsetzen. Das tun wir nicht, unser Ziel ist: Verantwortungsprogrammierung.

Erwarten die Zuschauer, dass sich ARD und ZDF bei den Programmen absprechen?

Es war das ZDF, das den Brauch der Absprachen aufgegeben hat. Von mir aus könnten wir die mir sehr lieb gewordenen Runden zwecks Absprache wieder aufnehmen.

Wie muss öffentlich-rechtliches Fernsehen funktionieren? „heute“ um 19 Uhr und „Tagesschau“ um 20 Uhr?

Insgesamt haben Das Erste und ZDF nur ganz wenige grobe Überschneidungen. Und wo es grobe Überschneidungen gab, am Donnerstag mit der Volksmusik, da sind wir sind mit großem Schaden auf den Montag ausgewichen. Aber wir sind selbstbewusst, uns kommt es nicht so sehr auf Marktanteile an. Es wäre doch perfekt: Die ARD etwas härter, strenger in ihrem Image, das ZDF etwas unterhaltsamer und weicher.

Das ZDF meldet einen Jahresmarktanteil 2004 von 13,8 Prozent. Die ARD soll bei 14,1 Prozent liegen. Beide Seiten könnten doch sehr entspannt sein.

Klar ist: Die Programme liegen 2004 so eng beisammen, dass eine eindeutige Aussage erst am 1. Januar 2005 möglich ist.

Die ARD sendet am alles entscheidenden 31. Dezember den unschlagbaren „Silvesterstadl“ mit Karl Moik.

Dieser ironische Unterton! Weil ich nicht nur Ihr Kritiker, sondern auch Ihr Erzieher bin, muss ich Ihnen sagen: Dort sitzen die älteren Zuschauer zu Hause, die ein Programm, das das Abendland weder aufbaut noch zerstört, genießen wollen, das sie unterhaltend nach 2005 bringt.

Im ZDF: „Die große André-Rieu-Silvestergala“. Eine Kampfprogrammierung?

Aber natürlich. Der Rieu ist jetzt völlig neu draufgesetzt worden, weil das ZDF gesehen hat, dass es mit fiktionalen Programmen nicht hat landen können.

Das Gespräch führte Joachim Huber.

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