Kerner-Interview : "Ich muss meine Quote nicht am Hindukusch verteidigen"

Sat.1-Moderator Johannes B. Kerner spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über Selbstinszenierung, Hofberichterstatter und warum er sein Büro so selten verlässt.

Mitten drin statt nur dabei: Fernsehmoderator Johannes B. Kerner tritt mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bei einer Talkshow vor den Truppen in Afghanistan an.
Mitten drin statt nur dabei: Fernsehmoderator Johannes B. Kerner tritt mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bei...Foto: dpa

Wie kommt es, dass Sie und nicht Ihre Konkurrenten Beckmann, Plasberg, Illner oder Will mit dem Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die erste Talkshow aus Afghanistan machen?

Womöglich, weil die Kollegen im Ministerium gar nicht angefragt haben.

Vielleicht müssen die ihre Quote auch nicht am Hindukusch verteidigen.

Meine Quote hat sich deutlich entspannt, im November hatten wir mit durchschnittlich 11,7 Prozent Marktanteil den besten Monatsschnitt seit Sendungsbeginn im November 2009. Deshalb muss ich meine Quote weder am Hindukusch noch an der Elbe verteidigen. Und das Thema Afghanistan gilt ohnehin als Quotengift.

Wenn nicht aus Quotengründen, warum haben Sie dann Ihre Sendung in Afghanistan aufgezeichnet?

Aus persönlichem Interesse heraus. Ich habe nie verstanden, wie der Bundeswehr-Einsatz, der ja auch vom Bundestag mandatiert ist, in Deutschland den Umfragen nach von 71 Prozent der Menschen abgelehnt werden kann. Womöglich wissen die Leute zu wenig darüber, dachte ich. Und wo Unwissenheit herrscht, hilft Aufklärung.

Promis bei den Truppen
Truppenbetreuung einmal anders: Fersehmoderator Kerner im Gespräch mit Verteidigungsminister Guttenberg. Im Hintergrund lauschen die in Afghanistan stationierten deutschen Soldaten.Weitere Bilder anzeigen
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14.12.2010 11:20Truppenbetreuung einmal anders: Fersehmoderator Kerner im Gespräch mit Verteidigungsminister Guttenberg. Im Hintergrund lauschen...

Passen Taliban und Talkshow überhaupt zusammen?

Erstens senden wir aus der sicheren Umgebung des ISAF-Camps Marmal. Und zweitens machen wir auch keine Show, sondern eine Magazinsendung, mit langen Film- und kurzen Gesprächsbeiträgen. Ich rede auch hauptsächlich mit Soldatinnen und Soldaten und nicht allein mit dem Minister.

Guttenberg dürfte sich trotzdem über die Bühne freuen, die Sie ihm zur Selbstinszenierung bieten.

Ich glaube, dass sich der Minister deutlich einfacher selber inszenieren könnte als mit einer Reise an den Hindukusch. Aber er macht die Sendung, um die Aufmerksamkeit auf den Job der Soldatinnen und Soldaten zu lenken – und nur hier decken sich unsere Interessen.

Sie empfinden sich also nicht als „Hofberichterstatter“, wie Grünen-Chefin Claudia Roth Ihnen vorwirft?

Nein, und die Aussage von Frau Roth, die ich persönlich schätze, finde ich besonders niedlich, denn als sie Vorsitzende der Grünen wurde zusammen mit Cem Özdemir, hat sie noch am Abend der Wahl bei mir im Studio gesessen.

Senden Sie demnächst auch aus Somalia, dem Kongo und anderen Einsatzorten der Bundeswehr?

Dschibuti hat mich schon immer gereizt…Aber ich habe erstmal nicht vor, von dort eine Sendung zu machen. Ich habe hier ein gut beheiztes Studio in Hamburg und das verlasse ich nur äußert selten.

Ist die Sendung ein Auftakt dafür, dass „Kerner“ demnächst ernster und politischer werden soll?

Wir machen von Anfang an eine Magazinsendung. Das ist schwer genug und dauert lang genug, das immer mehr Menschen beizubringen. Das hätte ich mir auch leichter vorgestellt. Wir werden aber bei unserem Konzept bleiben, die Afghanistan-Sendung läuft ein bisschen aus der Reihe.

Hat es einen Reisekostenzuschuss für die Reise vom Ministerium gegeben?

Wir rechnen streng nach den Richtlinien des Bundesministeriums der Verteidigung ab.

Nehmen Sie das nächste Mal auf so eine Reise Daniela Katzenberger mit, wie Ihnen vom SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel empfohlen wurde?

Ich freue mich, dass Herr Gabriel gut im Stoff ist, was Boulevardthemen angeht. Aber das ist nicht meine Wellenlänge.

Das Gespräch führte Sonja Pohlmann.

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