Medien : Kerner und Stumph auf Abruf: Auf der IFA stellt das ZDF seine neue „Mediathek“ vor

Pablo Silalahi

Als ZDF-„heute“-Moderator Steffen Seibert kürzlich mit der S-Bahn auf dem Weg zum Flughafen war, saß ihm ein junger Mann gegenüber, der ständig auf den Bildschirm eines Laptops starrte und immer wieder laut loslachen musste. Offenbar bot der Computer ihm eine Menge Spaß. Als Seibert ihn fragte, was er denn da so Lustiges sehe, antwortete der junge Mann, dass er sich gerade „Toll“ anschaue, die satirische Rubrik des ZDF Politmagazins „Frontal21“.

Diese Anekdote erzählte Seibert am Samstag auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin. Denn die Videoplattform, die der Mann in der S-Bahn nutzte, ist anlässlich der IFA auf eine neue Stufe gehoben worden: künftig bietet die „Mediathek“ ein größeres Angebot und sie ist leichter zu bedienen. Zuschauer können sie wie eine Art Videothek im Internet nutzen. Denn über die „Mediathek“ sind Sendungen, die im ZDF- Programm bereits gelaufen sind, auch nach der Ausstrahlung noch einmal auf dem Computer zu sehen. Der Zuschauer benötigt dafür lediglich einen Internetanschluss. ZDF-Intendant Markus Schächter lobte die „Mediathek“ am Samstag als „neue digitale Revolution“.

Die neue ZDF-„Mediathek“ soll Videos auf dem PC in gleicher Qualität wie auf dem Fernsehbildschirm zeigen. Ebenfalls sind die Sendungen auf dem Handy zu empfangen. Dafür wurde eigens eine „heute“-Sendung in 100 Sekunden entwickelt. „Der Zuschauer wird beim ZDF sein eigener Programmdirektor“, sagte Schächter. Er glaubt, dass das Abruf-Fernsehen wie bereits heute der Teletext zum festen Bestandteil der Fernsehnutzung der Zuschauer gehören wird.

Das Angebot der „Mediathek“ umfasst einen Großteil des Informationsprogramms des Zweiten: Von den aktuellen „heute“-Nachrichten und dem „heute-journal“ über ausgewählte Beiträge von „Frontal 21“ bis hin zum „Auslandsjournal“, „Maybrit Illner“ oder dem Verbrauchermagazin „WISO“. Dazu kommen vom ZDF selbst produzierte Spielfilme, Serien und Shows.

Um den Start der „Mediathek“ zu feiern, hatte das ZDF am Samstag viel Prominenz aufs Messegelände geladen. So war neben Schächter auch ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut vertreten. Ebenso kamen Moderatoren wie Claus Kleber, Maybrit Illner und Johannes B. Kerner und der Schauspieler Wolfgang Stumph.

Bellut kündigte am Samstag an, das Angebot der „Mediathek“ schrittweise auszubauen. Die meisten Videos würden für sieben Tage bereitgestellt, einige Sendungen und Beiträge auch länger. Der Verband Privater Rundfunk- und Telemedien (VPRT) und Verlegerverbände hatten die Expansion von ARD und ZDF im Internet kritisiert. Sie verlangten, dass der Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender neu definiert und eindeutig begrenzt werden müsse.Pablo Silalahi

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