Medien : Kessler für Krömer?

Der RBB muss für den ARD-Sendeplatz einen Nachfolger finden. Erste Namen werden gehandelt.

Markus Ehrenberg/Kurt Sagatz

Der „Tatort“, demnächst mit Meret Becker und Mark Waschke, noch ein „Polizeiruf“ mit Maria Simon und Horst Krause – es gibt nicht so viele Formate, mit denen der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) im Programm des Ersten auffällig wird. Vielleicht gehören da noch „Nuhr im Ersten“ und vor allem „Krömer – die internationale Show“ dazu. Dummerweise will nun Kabarettist Kurt Krömer in nächster Zeit nicht mehr im Fernsehen zu sehen sein, wie er am Wochenende dem RBB überraschend und lapidar mitteilte. Der RBB muss sich nun fragen, wie und womit er die bis zu acht für Kurt Krömer vorgesehenen Sendeplätze am späten Donnerstagabend füllen soll. Wer – aus Berlin/Brandenburg – will ins Erste, wer hat noch nicht?

Offiziell hüllt sich der Hauptstadtsender in Schweigen. Die Krömer-Shows wären erst im zweiten Halbjahr 2015 gelaufen, es ist etwas Zeit. RBB-Kandidat Nummer eins ist wohl Michael Kessler. Kessler hat für den Sender auf unterschiedlichsten Fahrzeugen die Umgebung von Berlin erkundet. Seine aktuelle Expedition führt ihn mit einem knallroten motorisierten Dreirad von Bayern an die Ostsee. Der ARD-Donnerstagabend – unter anderem mit „Extra3“ – ist ebendiesem Genre gewidmet. Um den Sendeplatz im Ersten zu halten, wird ein entsprechendes Format benötigt. Seit seinen Parodien in „Switch“, der „Wochenshow“ und seiner Beteiligung an der Improshow „Schillerstraße“ ist klar, dass Kessler die nötigen Fähigkeiten hat.

Ebenfalls bereits jetzt für den RBB tätig ist Dieter Nuhr. Mit „Nuhr im Ersten“ hat der Kabarettist jedoch einen festen Sendeplatz in der ARD am Donnerstagabend. Weitere Kandidaten für die Krömer-Nachfolge wären, zumindest dem Profil nach, Carolin Kebekus oder auch Olli Schulz, der für Radio Eins am Sonntagnachmittag bereits zusammen mit Jan Böhmermann unterhaltsam unterwegs ist. Schulz hat bei Pro 7 („Schulz in the Box“) bewiesen, dass er auch gut unterhaltsames Fernsehen machen kann. Die Serie wurde 2014 in der Kategorie „Dokutainment“ für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Im ablaufenden Jahr drehte Schulz weitere Folgen, kündigte aber im Anschluss an, sich in Zukunft wieder verstärkt auf seine Musikkarriere zu konzentrieren.

Vielleicht macht RBB Olli Schulz ja ein gutes Angebot. Vielleicht sollte der Sender aber auch mal etwas ganz Neues wagen. Der RBB ist sich bewusst, dass die Berliner Lebenswirklichkeit insbesondere mit der multiethnischen Zusammensetzung seiner Bevölkerung sich stärker im Programm widerspiegeln sollte. Das braucht ja nicht gleich eine Comedy-Variante von „Türkisch für Anfänger“ sein, jene geistreiche ARD-Vorabendserie von 2005 bis 2008, die stilisiert und gut zeigte, was multikulturelle Gesellschaft ironischerweise bedeuten kann.

Es muss etwas geboten werden am Donnerstagabend in der ARD, nach den „Tagesthemen“. Es ist ja kein „weißer Fleck“, jener Sendeplatzfreihalter aus den 1970ern für eine aktuelle Dokumentation, deren Thema nicht rechtzeitig feststand, um es den Programmzeitschriften mitzuteilen. Der Sendeplatz ist nicht fest mit dem RBB verbunden. Dass bedeutet, dass der RBB für Krömer einen konsensfähigen Vorschlag bei der ARD einbringen muss. Mit dem entsprechenden zeitlichen Vorlauf. Es ist nicht ausgeschlossen, dass andere ARD-Sender Gegenvorschläge machen.

Die weiteren Programm-Zulieferungen des RBB stehen derzeit nicht so infrage, werden aber in ihren Änderungen mit Spannung erwartet. Im April geht der erste „Tatort“ mit dem Berliner Ermittler-Team um Meret Becker und Mark Waschke auf Sendung. Zugleich läuft im Mai der Brandenburger „Polizeiruf“ mit Maria Simon und Horst Krause aus. Polizeihauptmeister Krause geht in Rente. Das Nachfolgeteam wird seinen Sitz in Frankfurt an der Oder haben, ein voraussichtlich polnischer Hauptermittler an Simons Seite ist vorgesehen. Der RBB könnte im „Polizeiruf“ neue Wege einschlagen und eine Kooperation mit dem polnischen Fernsehen beginnen, vergleichbar der Zusammenarbeit zwischen SWR und Schweizer Fernsehen beim Bodensee-„Tatort“, der Ende 2016 eingestellt wird.

Krömer-Nachfolge, „Tatort“, „Polizeiruf“-Switch – hat der RBB diese ARD-Programmstellen bespielt, steht eine andere Baustelle an: die Aufhübschung des eigenen, Dritten Fernsehprogramms, das (mit Marktanteilen in seiner Region von 6,1 Prozent im Jahresschnitt) an letzter Stelle unter den Dritten Programmen steht. Markus Ehrenberg/Kurt Sagatz

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