Medien : Kicker trifft Künstler

Peter von Becker

100. Sendung „Was erlauben Strunz“: Oliver Kahn interviewt Paulo Coelho. N24. Oliver Kahn ist kein titanisch teutonischer King Kong. Obwohl der einstige deutsche Nationaltorhüter gelegentlich in den boulevardesken Abgründen zwischen Fußballgott, Menschenaffe und beklopptem Luderopfer schlingert, weiß jeder, der nur einmal ein ausführlicheres Kahn-Interview gelesen hat: Der Mann hat Verstand, kann nachdenken. Und wenn ihm nicht gerade der Adrenalin- oder Testosteronspiegel kippt, vermag er auch ziemlich kultiviert zu formulieren.

Das hat er soeben auf N24 demonstriert und dem Sender und seiner dämlich titulierten Talkshow „Was erlauben Strunz“ am Montag kurz vor Mitternacht eine Rekordeinschaltquote beschert. Es war die 100. Sendung des Moderators Claus Strunz, wurde aber zugleich als „Oliver Kahns erste Talkshow“ annonciert. Denn wegen einer verlorenen Wette (dass Deutschland Fußballweltmeister würde) musste und durfte nun Olli ran. Auf eigenen Wunsch sprach er mit dem brasilianischen Bestsellerautor Paulo Coelho. Doch zur Sicherheit war auch Strunz mitgekommen – und erwies sich in der halben Stunde eher als fehl am Platz. Man traf sich im holzgetäfelten „Kaminzimmer“ in Coelhos Pariser Wohnung, die Strunz gleich als „Allerheiligstes“ bezeichnete, während sich Kahn und Coelho entspannt umarmten.

Beide waren sich schon mal 2001 kurz begegnet, Kahn parlierte in leidlichem Englisch, dann stellte er auf Deutsch die erste Frage – offenkundig spontan. Er sehe bei einem „der berühmtesten Schriftsteller der Welt“ kein einziges Buch in den Regalen. „Wie kommt das?“ Coelho konterte: „Ich vermute, bei Ihnen sind auch nicht lauter Bälle in der Wohnung.“ Worauf Kahn doch leichter den nötigen Abstand vom Beruf benennen konnte als der Schriftsteller, der ausweichend auf seinen Wunsch nach Einsamkeit und Konzentration verwies. Um Kahn dann zu fragen, ob ein Torwart beim Elfmeter nicht „der einsamste Mensch der Welt“ sei.

Kahn: Beim Elfmeter habe er nichts zu verlieren. Anders sei es, wenn „ein normales Tor fällt“, wenn das Stadion juble und die eigenen Mitspieler „sich schnell von einem abkehren, dann fühlst du dich einsam“. Über das WM-Desaster Brasiliens war von dem Brasilianer Coelho wenig zu erfahren; er verriet nur, dass er bei einem Freund in Berlin gesehen habe, wie fantastisch die deutschen Fans ihre Idole gefeiert hätten. Und Kahn, der Leser? Er gelte, wenn er auf Reisen zu einem Match lieber ein Buch lese, statt Karten zu spielen, bisweilen „als Streber“. Der wird er wohl bleiben, auch nach der Fußballkarriere. Strunz fragte nur dauernd nach bei Kahn, der diplomatisch den Gastgeber Coelho im Spiel zu halten suchte. Und auch so ein Beispiel gab.

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