Medien : Kiezneurotiker

Der Erfolg des Kurt Krömer. Oder wie man es als Neuköllner ins Fernsehen schafft

Hannah Pilarczyk

Beim Griff zur Mettwurst-Schnitte ist die Welt wieder in Ordnung. Also zumindest in Neukölln. Wer da nämlich so beherzt bei Oma Elfis Schnittchenplatte zulangt, ist Kurt Krömer alias Komiker Alex Bojnac und der verdient eigentlich sein Geld damit, den prototypischen Neuköllner darzustellen.

Bojnac sitzt in „Elfis Gasthaus“ in der Neuköllner Hermannstraße. Die Wände sind gelb gestrichen, die Bilder haben fast alle Gebirgsmotive. Trotz der Ortswahl wirkt Bojnac zunächst wenig Neukölln-klischeehaft. Er trinkt Weißweinschorle, trägt cremeweiße Chucks-Turnschuhe. Er sieht – wenn man sich das übergroße Kassenbrillenmodell wegdenkt – ziemlich gut aus. Aber dann kommt die Schnittchenplatte. Und wie Bojnac mit starrem Blick sein Wurstbrot kaut, nimmt man ihm den Kiezneurotiker Krömer wieder mehr als bereitwillig ab.

Seit über zehn Jahren spielt Bojnac schon den unbeherrschten Südwest-Berliner, der im Kampf mit dem Alltag beständig unterliegt. Sein Motto: „Ick erzähl keene Witze, ick bin der Witz!“ Bojnacs Krömer ist ein fröhlicher Asozialer, der sich um die Befindlichkeiten seiner Mitmenschen schon lang nicht mehr schert. Er flippt aus, wann es ihm gefällt – und überrumpelt mit seinen aggressiven Ausfällen das Publikum. Jahrelang ist Bojnac mit dieser Nummer durch diverse Comedy-Shows getingelt, bis er im Frühjahr endlich seine eigene Sendung, die „Kurt Krömer Show“ beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), erhielt. Letzten Monat wurden sechs neue Folgen im Berliner Kabarett „Die Wühlmäuse“ aufgezeichnet, die der RBB immer sonntags ausstrahlt.

Eine hart erarbeitete Belohnung, denn die Anfänge als Konzept-Neuköllner waren für Bojnac alles andere als leicht. Krömer kam nämlich überhaupt nicht bei den Zuschauern an. Zu echt, zu traurig fanden sie den Verlierertypen aus dem Problemkiez. Mit dem aufkommenden Comedy- Boom Ende der 90er änderte sich das – erst in Berlin, dann bundesweit. „Jede Stadt hat ihr Neukölln, ihren Bezirk, vor dem Mütter ihre Kinder warnen“, erklärt Bojnac. Geboren und aufgewachsen ist der 29-Jährige übrigens im Wedding.

Nun wird er jeweils dreißig Minuten lang auf zwei Talkgäste losgelassen und darf per Einspielfilm „Neues aus Neukölln“ und „aus dem Rest der Welt“ verkünden – und was dabei herauskommt, ist in den besten Momenten mehr Amoklauf als Show. Ob er seinen Gast Rolf Zacher anpflaumt, sich über Oma Elfi oder Ost-Star Achim Mentzel lustig macht – die rauen Umgangsformen aus dem Problemkiez sind ein erstaunliches Erfolgskonzept. Mittlerweile haben fast alle dritten Programme der ARD sowie 3sat die „Kurt Krömer Show“ eingekauft. Und für April 2005 ist schon eine dritte Staffel geplant.

„Die Kurt-Krömer-Show“: 22 Uhr 30, RBB

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