Medien : Killerinstinkt

Bernd Matthies

Die deutschen Buchhandlungen sind voll mit Krimis aus Skandinavien. Leif Davidsen ist Däne. Drei seiner Bücher liegen schon auf Deutsch vor, das vierte könnte dem Autor nun auch bei uns den Durchbruch bringen, zumal es durch die Karikaturen-Affäre politische Aktualität gewonnen hat.

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Davidsen befasst sich nicht mit dem verregneten Seelenleben seiner Nachbarn, er schreibt auch keine sozialdemokratische Thesenprosa, sondern nutzt seine internationalen Erfahrungen als Zeitungskorrespondent für politisch fundierte Thriller. „Der Feind im Spiegel“ setzt mit dem Angriff auf das World Trade Center ein: Ein serbischer Killer, der sich in der US-Provinz ein neues Leben eingerichtet hat, wird bei der Großfahndung nach 9 / 11 vom FBI aufgespürt und gezwungen, in seiner früheren Wahlheimat Dänemark bei der Suche nach einem Al-QaidaTerroristen zu helfen. Doch er steht selbst bei Per Toftlund, dem Leiter einer Anti-Terror-Einheit, auf der Fahndungsliste ganz oben. Toftlund ermittelt mit seinem typisch skandinavischen Team in einer vermeintlich ganz anderen Angelegenheit, und beide bewegen sich aufeinander zu, ohne es zu ahnen.

Leider überfrachtet Davidsen seinen Plot mit historischen und soziologischen Exkursen. Dabei lernen wir viel über die Situation der Muslime in Dänemark, über Verbindungen zwischen dem Bosnienkrieg und dem islamistischen Terror, der Roman entwickelt da und dort sogar prophetische Qualitäten – doch die Story kommt nicht auf Touren.

Leif Davidsen: Der Feind im Spiegel. Thriller. Deutsch von Peter Urban-Halle. Zsolnay, Wien. 397 Seiten, 19,90 €.

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