Medien : Kim Jong Kirch

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Dank der Fußball-Weltmeisterschaft wissen wir jetzt, dass in Korea Tag ist, wenn bei uns Nacht ist. Korea liegt am anderen Ende der Welt. Im Norden herrscht Kim Jong Il. Er ist Diktator. Mit Diktatoren wollen wir nichts zu tun haben, also ist es gut, dass Nordkorea nicht unser Nachbar ist. Einerseits. Andererseits hat ein Diktator immer und überall das Wohl und Wehe seines Volkes im Auge. Er will geliebt und verehrt werden. Mit Brot und Spielen ist eine Menge Liebe und Verehrung zu gewinnen. Das weiß keiner besser als Kim Yong Il. Brot kann er nicht genug beschaffen, also kümmert er sich um Spiele. Das nordkoreanische Volk darf Bilder von der Fußball-WM sehen. Besorgt werden sie in Diktaroren-Manier: Sie werden geklaut. Bezahlt wird nicht.

Offiziell macht die Kirch-Media in München, sie besitzt die weltweiten Fernsehrechte, die Ola-Welle. Euphorisch wird vom „positiven Signal“ geschwärmt, von der Kraft einer Fußball-WM, die Grenzen überwinden könne. In einem Medienkonzern, den bis zur Insolvenz Leo Kirch geführt hat, wird diese Einstellung nicht überraschen. Leo Kirch hat in seinem Laden geherrscht wie Kim Yong Il in seinem Land herrscht: Der Wille des Inhabers entscheidet. Wie eng München-Unterföhring und Nordkorea beieinander liegen, verdeutlicht auch die gelassene Reaktion auf die Bilderstürmerei. Man hoffe, erklärte Management-Direktor Alexander Liegl, dass sich die Nordkoreaner über die Fußballspiele im Fernsehen freuen werden.

Proteste hätten Kim Yong Il auch kalt gelassen. Er ist nicht irgendein ARD-Fuzzi, der für viel Geld wenig Rechte einkauft, er ist der Big Boss. Wenn der nimmt, dann wird den Reichen genommen, um den Armen zu geben. Sollte es Kirch mal ganz übel gehen, dann ab nach Pjöngjang. Kim Yong Il wartet schon. Aber obacht, Leo: Auch Diktatoren müssen in die Insolvenz. Davor schützt weder der Besitz von Fernsehrechten noch der Klau von WM-Bildern.Joachim Huber

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