Kinder-Radio : Tom am Ohr

Wie der Kindersender Radio Teddy sein Zielpublikum erobert hat – und nicht nur das.

Ingo Wolff

Eine Brummstimme dringt durch die Studiotür nach draußen. Tom Deininger sitzt vor dem Mikrofon und haucht den Worten auf seinem Blatt so eindringlich Leben ein, dass den Kindern am anderen Ende des Radios die Feen, Hexen und Zauberer bildlich vor den Augen erscheinen müssen. Der Mann, der vielen Trickfiguren und Schauspielern seine Stimme geliehen hat, ist der „Tom Tom“ bei Radio Teddy und einer der Erfolgsfaktoren für das Kinderradio aus dem Filmpark Babelsberg. Der Schauspieler gibt nicht nur den Märchenonkel, er sieht auch so aus. Mit seinen Geschichten aus der Bärenhöhle ist er einer der Gründe, warum in vielen Kinderzimmern und Familienautoradios die Frequenz 106.8 wie Kaugummi festgeklebt ist.

Das erste Kinderradio Deutschlands, wie es der Sender gerne selbst betont, bekommt regelmäßig Nachwuchs. Die Zahl der Hörer steigt, das hat die aktuelle Mediaanalyse (MA 2007/II) ergeben. Radio Teddy wurde ebenso wie der Rocksender 100,6 Motor FM erstmals erfasst, beide sind im Konzert der Berliner und Brandenburger Programme unüberhörbar. So verloren Antenne Brandenburg, BB Radio und RS2 an Zuspruch, und begründet werden die Verluste auch mit neuen Konkurrenten. Teddy bringt es auf Anhieb auf 19 000 Hörer und Motor FM auf 16 000. Aus den Fluren der kleineren Sender ist zu hören, dass Hörer den musikalischen Einheitsbrei und die lustigen Telefonscherze einfach satthaben.

Bei Radio Teddy rufen stattdessen die Kinder selbst an und bekommen für 12 Cent pro Anruf keine Zeitbeschränkung in den Sendungen. Auch Erwachsene kommen abends beim Elternabend zu Wort. „Wir bewerten die Zahlen als Beweis, dass unsere Idee für ein Kinderradio ankommt“, sagt Uly Köhler. Er ist Geschäftsführer von Radio Teddy und hat zusammen mit Uwe Schneider, dem ehemaligen Gitarristen der 1976 gegründeten ersten deutschen Boyband „The Teens“, die Idee verwirklicht. Seit dem 1. August 2005 senden beide das Vollprogramm. „Die Zahlen sind deshalb für uns besonders, weil die Mediaanalyse nur 14- bis 49-Jährige erfasst und unsere Zielgruppe die Drei- bis Zwölfjährigen sind“, sagt Köhler. Er spricht von bis zu 385 000 Familienmitgliedern, die täglich den Sender hören. Das Büro von Uly Köhler wirkt so, als müsse es ein Kind auf Anhieb überzeugen. Teddybären, blauer Bildschirm, Kindersitzecke. Die ehemalige Garderobe von Marlene Dietrich im Filmpark Babelsberg ist Leitstelle für das Radio-Teddy-Land. Das Erfolgsgeheimnis, glaubt Köhler, sei die direkte Ansprache der Zielgruppe. Es gibt stündlich kindgerechte Nachrichten. Dazu junge Musik, auch Kinderlieder. Vor kurzem wurde der „SchulkidsAward“ für den besten Lehrer, die liebste Sekretärin und den nettesten Hausmeister vergeben. Das kommt nicht nur bei Kindern, sondern auch bei den Eltern an. Und in Kitas. „Der ,Spielplatz’ am Mittag im Radio mit Toms Geschichten wird von Erziehern zum Einschlafen der Kinder angestellt.“ Einen bleibenderen Eindruck kann ein Sender kaum hinterlassen.

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