Kinder und digitale Medien : Machen Computerspiele blöd?

11.08.2012 17:37 Uhrvon
Ob's was hilft? Während die Grundschüler auf dem Archivbild von 2001 versuchen, mit dem Computer lesen zu lernen, gilt heute als zweifelhaft, ob digitale Medien gerade kleinere Kinder wirklich weiterbringen. Foto: dpa - pa
Ob's was hilft? Während die Grundschüler auf dem Archivbild von 2001 versuchen, mit dem Computer lesen zu lernen, gilt heute als zweifelhaft, ob digitale Medien gerade kleinere... - Foto: dpa - pa

In seiner jüngsten Schrift warnt der Psychiater Manfred Spitzer vor den Folgen des Konsums neuer Medien für Heranwachsende. Seine Warnung vor der „digitalen Demenz“ erscheint aber überzogen.

Ausgerechnet im Netz finden sich schon jetzt die ersten euphorischen Reaktionen: „Das, was ich als Hausfrau und Mutter als Folge des Medienkonsums meiner Kinder intuitiv gespürt habe, wird nun – endlich – von einem Neurowissenschaftler bestätigt!“, jubelt eine Mutter von drei Halbwüchsigen und einem Grundschüler auf der Webseite des Verlags Droemer Knaur. Dass der dem Ulmer Psychiatrieprofessor Manfred Spitzer für seine jüngst erschienene Schrift „Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen“ das Forum geliefert hat, ist ihr willkommene Schützenhilfe im täglichen Kampf gegen das Internet: „Ich kam gegen das World Wide Web nicht mehr an“, seufzt sie.

Und weiter: „Der Autor spricht mir aus der Seele!“

Spitzer warnt seit Jahren vor der Verdummung nachwachsender Generationen durch extensive Nutzung elektronischer Medien. An seinem neuesten Schlag gegen Computer, Smartphones, Spielkonsolen und Tablets ist schon der Titel besonders starker Tobak – verweist der psychiatrische Fachbegriff Demenz doch auf ein schweres Krankheitsbild, das Menschen meist erst im höheren Lebensalter trifft. Dabei geht es Spitzer vor allem um die Auswirkungen moderner digitaler Medien auf die Reifung junger Gehirne. Schon in seinem Longseller von 2005 „Vorsicht Bildschirm! Elektronische Medien, Gehirnentwicklung, Gesundheit und Gesellschaft“ hatte der Psychiater detailgenau dargelegt, wie Bildschirm-Bilder auf das Gehirn von kleinen Kindern wirken. Nun fasst er nochmals klipp und klar zusammen: „Die von Kindern unter drei Jahren vor Bildschirmmedien verbrachte Zeit ist verlorene Zeit.“

Was die ganz Kleinen betrifft, dürfte diese Aussage in der hirnphysiologischen und medienpädagogischen Fachwelt tatsächlich nicht für großen Streit sorgen. Denn es wird immer deutlicher: „Baby Einstein“-DVDs machen nicht nur keine Genies aus Säuglingen und Kleinkindern, sondern stehlen ihnen wertvolle Zeit, in der sie echte Lernerfahrungen machen könnten. Und die „Teletubbies“ behindern die Sprachentwicklung von Kleinkindern eher, als dass sie sie voranbringen würden. Für völlig weltunerfahrene Babys liefern Fernsehen und Computer nach übereinstimmender Ansicht der Fachwelt den falschen, weil unzureichenden Stoff. Bild und Ton sind nie ganz perfekt synchronisiert, die Bilder sind flach, Tasten und Schmecken sind unmöglich.

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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