Kinderkanal : Wie die Großen

Der Kinderkanal präsentiert neue Formate. Die wichtigsten Herausforderungen sieht der scheidende Kika-Chef Beckmann im Geburtenrückgang, bei der Integration ausländischer Kinder und beim Konsumdruck, der bereits auf den Kleinen lastet.

Simone Schellhammer
Frank_Beckmann
Frank Beckmann -Foto: Kika

„Wir setzen weiter auf Unterhaltung mit Anspruch“, sagte Frank Beckmann, Programmgeschäftsführer des Kinderkanals von ARD und ZDF bei einem Pressegespräch, bei dem die Höhepunkte für das kommende Halbjahr vorgestellt wurden. Manches davon sieht aus wie bei den Großen: eine Casting-Show („Dein Song“), ein Coaching-Format („Versetzung gefährdet“), ein ambitionierter Kinder-Krimi à la „Tatort“ („Krimi.de“). Zur EM gibt’s Kai, den Forellenkugelhai, als Reporter, außerdem Quizshows und Fußballspiele mit Familienteams aus sechs Nationen. Über die Quoten der letzten Zeit zeigte sich Beckmann, der im November als Programmdirektor zum NDR wechselt, sehr erfreut. Insgesamt liegt der Kika bei den 3- bis 13-Jährigen zwar mit seinen derzeit rund 19 Prozent hinter dem Marktführer Super RTL, dafür auf Platz Eins bei den Vorschulkindern und bei den Mädchen. Seit Gründung des Senders 1997 ist die Konkurrenz deutlich härter geworden. Seit 2005 gibt es den Viacom-Sender Nick (ehemals: Nickelodeon) wieder auf dem deutschen Markt, im Digital-TV sind zahlreiche Hollywood-Konzerne aktiv. Vor allem beim Trickfilm versucht der Kinderkanal mit anderen Inhalten und mit Eigenproduktionen gegenzuhalten. „Wir überlassen der Konkurrenz das Feld der actionbasierten Trickserien und setzen auf europäische Erzähltradition“, sagte Beckmann. So wie bei „Little Amadeus“ Kinder für klassische Musik begeistert werden sollen, will die Animationsserie „Cosmic Quantum Ray“ Sechs- bis Neunjährige an physikalische Phänomene heranführen.

Die wichtigsten Herausforderungen sieht der scheidende Kika-Chef Beckmann im Geburtenrückgang, bei der Integration ausländischer Kinder, beim Konsumdruck, der bereits auf den Kleinen laste und beim Ausbau der Kika-Präsenz im Fernsehen (bis 22 Uhr statt wie bisher bis 21 Uhr) und im Internet. Mit 35 Millionen Klicks im Monat ist die Seite www.kika.de das bekannteste Kinderangebot. Zum umstrittenen Thema Abruf-Fernsehen meinte Beckmann, der einzelne Sendungen länger im Web verfügbar halten möchte: „Wie ein Vulkan funktioniert, ist doch nicht nur sieben Tage lang richtig.“ Simone Schellhammer

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