Kindermusical : Bärchen brauchen Märchen

Es darf gerockt werden: Walter Moers hat ein Musical für Kinder geschrieben. "Die 3 Bärchen und der blöde Wolf“ ist ein Jubiläumsgeschenk. Vor zwanzig Jahren gab es die ersten Geschichten mit der Käpt’n-Blaubär-Mannschaft im "Sandmännchen“.

Tilmann P. Gangloff

Kinderfernsehen ist immer dann am schönsten, wenn man auch als Erwachsener nicht unterfordert wird. Die ARD ist ja ohnehin schon seit einiger Zeit darauf aus, ihr Angebot für Kinder familientauglicher zu gestalten. Mit diesem Musical von Walter Moers ist das vortrefflich gelungen.

„Die 3 Bärchen und der blöde Wolf“ ist ein Jubiläumsgeschenk. Vor zwanzig Jahren gab es die ersten Geschichten mit der Käpt’n-Blaubär-Mannschaft im „Sandmännchen“. Kurz drauf zog die Crew in die „Sendung mit der Maus“ um, 1993 startete der „Käpt’n Blaubär Club“. Ein Jahr später erhielt Moers den Adolf- Grimme-Preis, während er mit dem „Kleinen Arschloch“ schon längst einer ganz anderen Figur zu Ruhm verholfen hatte. 1999 griff er den Blaubären noch mal auf, um den ersten Zamonien-Roman zu schreiben („Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“), ein episches Werk voll skurriler Einfälle, das mit der Figur aus dem Kinderfernsehen nur noch dem Namen nach verwandt war. Seither sind diverse Geschichten aus Zamonien erschienen (zuletzt „Der Schreckensmeister“), eine verrückter und origineller als die andere.

Das Musical ist zwar bei weitem nicht so fantastisch, unterscheidet sich aber doch deutlich von dem gern auch mal etwas betulichen Seemannsgarn, das der Käpt’n für die ARD spinnt. Die Geschichte ist eher einfach. Im finsteren Silberwald leben drei kleine Bären, die einem Wolf (Hein Blöd) mit ihrer permanenten Rockmusik gewaltig auf die Nerven gehen. Dummerweise handelt es sich beim Nachbarn um einen ausgesprochen pazifistischen Vertreter seiner Art, der zudem auch noch Vegetarier ist: Sein Zorn verraucht, sobald die kleinen Krachmacher ihre Türe öffnen. Dem Guten muss also geholfen werden, was eine Fee (Blaubär) prompt übernimmt. Aber auch mit Superpuste bringt es der große blöde Wolf nicht übers Herz, den Bärchen den Marsch zu blasen. Dafür hat der Freizeit organist eine viel bessere Idee. Dem Trio fehlt noch ein Mann an den Keyboards, und wenn sie nicht gestorben sind, dann rocken sie noch heute.

Ein fantastisches Szenenbild, musikalische Vielfalt und eine Menge Liebe zum Detail. Das „Grusical“ ist ein kurzweiliger Spaß für Groß und Klein. Gleich nach dieser Premiere gibt es eine weitere: In der „Sendung mit der Maus“ zeigt die ARD von heute an fünf Minuten lange Kurzmusicals. Zamonien-Fans werden sich freuen: Zum ersten Mal wird Hildegunst von Mythenmetz, das zamonische Alter Ego des Autors, im Fernsehen auftreten.

„Die 3 Bärchen und der blöde Wolf“, 10 Uhr 03, ARD

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