KINDERNEWS : Wissen, was läuft

Kinder interessieren sich für Nachrichten – „logo!“ und „neuneinhalb“ beweisen es

Tilmann P. Gangloff
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„logo!“ bleibt, Kerner geht. Die Sendung zum 20. Geburtstag der Kindernachrichten ist die letzte Showmoderation von Johannes B....

Kinder interessieren sich nicht für Politik, heißt es. Allzu viele Studien, die das Klischee bestätigen, gibt es zwar nicht. Dafür um so mehr Bestätigung im Alltag: Bei der „Tagesschau“ verstehen die Kinder nur Bahnhof. Kein Wunder: Selbst Erwachsene wissen mangels Hintergrundwissen oft nicht, worum es geht. Richtig interessiert sind sie nur, wenn ihr eigener Lebenszusammenhang berührt wird.

Bei Kindern ist das nicht anders. Die große Politik aus dem Bundestag ist von ihrem Alltag viel zu weit entfernt. Kommunalpolitik hingegen kann man schon im Kindergartenalter verstehen. Wenn die Kita geschlossen werden soll, weil die Gemeinde kein Geld mehr hat: Da können Kinder mitreden. Allerdings nicht daheim: Politische Erziehung findet kaum statt. Eltern setzen andere Prioritäten, was vermutlich damit zusammenhängt, dass ihr eigenes politisches Interesse nicht sonderlich ausgeprägt ist. Und da kommt „logo!“ ins Spiel. Eva Radlicki glaubt nicht an das Klischee, Kinder interessierten sich nicht für Politik: „Natürlich sagen sie das, wenn man sie fragt. Aber wenn sie verstehen, was Politik mit ihrem Leben zu tun hat, wird Politik für Kinder interessant.“

Radlicki leitet beim ZDF die Redaktion Information/Kinder und Jugend. Zu diesem Bereich gehört auch „logo!“, seit 20 Jahren die Kindernachrichtensendung der Mainzer Anstalt. Eva Radlicki ist eine Frau der ersten Stunde. Wenn sie die Erfahrungen von zwei Jahrzehnten auf den Punkt bringen soll, sagt sie: „Man kann den jungen Zuschauern heute deutlich mehr zumuten, weil sie früher älter werden.“ Die Zeit der unbeschwerten Kindheit wird immer kürzer, weil die Kinder vor allem durch das Fernsehen immer früher mit Themen konfrontiert werden, mit denen sie sich eigentlich noch nicht zu belasten brauchen. Ein Neunjähriger des Jahres 2009, erläutert die ZDF-Redakteurin, „ist einem Neunjährigen des Jahres 1989 voraus: an Weltwissen, an Zugangsmöglichkeiten zum Wissen, aber auch in seiner gesamten Entwicklung.“ Die gute Nachricht: Wer früher älter wird, hat auch mehr Durchblick. Wenn Radlicki eine vierte Klasse besucht, ist sie immer wieder verblüfft: „Früher gab’s bei bestimmten Themen oft ratlose Gesichter, heute wissen die Kinder viel mehr.“ Erfolgsrezept von „logo!“ ist die „ Augenhöhe“. Kam die Sendung früher gern mal belehrend daher, orientiert sich die Redaktion heute viel stärker an ihrer Zielgruppe. Wortwahl und Satzkonstruktionen müssen angemessen sein: „Klar und präzise, keine langen Sätze, keine Fremdworte“, diktiert Radlicki.

Diese Prinzipien würde Matthias Körnich vermutlich unterschreiben. Er leitet die Redaktion von „neuneinhalb“. Die WDR-Sendung ist vor fünf Jahren gestartet und bietet das Wichtigste der Woche noch kompakter als die „Tagesschau“: Der Titel der Sendung bezieht sich auf ihre Dauer. Jeden Samstag bringt das ARD-Magazin, wie es in der Eigendarstellung heißt, „in neuneinhalb Minuten ein aktuelles Thema der Woche für dich auf den Punkt: Wieso ist Aids so gefährlich? Warum wird gestreikt? Wie leben Kinder in Krisengebieten? Oder wer war eigentlich Mozart?“ Ähnlich wie „logo!“ arbeitet die WDR-Produktion mit Grafiken und Erklärstücken. Der Ansatz ist allerdings deutlich lockerer, die Redaktion bedient sich freigiebiger bei Elementen der Unterhaltung, zumal sich die Moderatoren selbst auch viel stärker einbringen und beispielsweise als Reporter jugendliche Erfinder besuchen. Wichtigster Aspekt ist für Körnich die Auswahl: „Wir bieten eine Mischung aus relevanten politischen und gesellschaftlichen Themen sowie aktuellen Ereignissen. Einen besonderen Stellenwert genießen Themen, die für die Zielgruppe wichtig sind, aber in den Nachrichten oft untergehen.“ Dabei pickt sich die Redaktion gern einen Aspekt heraus, „der als neugierig machende Frage Ausgangspunkt der Sendung ist“. Entscheidend sind auch Machart und Dramaturgie: „Das Thema wird als Geschichte erzählt, an deren Ende idealerweise ein Aha!-Erlebnis steht.“ Auch Körnich betont die Augenhöhe: „Die Sichtweise der Zielgruppe ist Maßstab.“ Und dann ist da noch die Maxime aller Maximen: „Nachrichtensprache findet nicht statt.“

„logo! – Das Jubiläumsquiz“, ZDF, um 20 Uhr 15

„logo!“ kommt werktäglich um 15 Uhr 50 und 19 Uhr 50 im Kinderkanal, „neuneinhalb“ samstags um 8 Uhr 30 und um 11 Uhr im Ersten. WDR und ZDF stellen ihre aktuellen Sendungen nach der Ausstrahlung ins Netz. Darüber hinaus bieten die interaktiven Internetseiten (www.tivi.de/logo und www.wdr.de/tv/neuneinhalb) eine Menge weiteres Material, von aktuellen Nachrichten über Hintergrundberichte bis hin zur Möglichkeit, die eigene Meinung bei Diskussionsforen einzubringen. Bei „neuneinhalb" können die Kinder auch eigene Reportagen beisteuern. tpg

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