Kindernothilfepreis : Norbert Blüm wettert gegen Billig-Shirts

Wer die Ausbeutung von Kindern in der Dritten Welt stoppen will, darf keine Shirts für vier Euro kaufen. Norbert Blüm nimmt bei der Verleihung der Kindernothilfepreise kein Blatt vor den Mund.

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Zu Späßen aufgelegt. Diese Kinder gehen zwei Jahre nach dem Beben in Port-au-Prince wieder zur Schule.
Zu Späßen aufgelegt. Diese Kinder gehen zwei Jahre nach dem Beben in Port-au-Prince wieder zur Schule.Fotos: Katja Anger/KNH(2)

Norbert Blüm scheut kein offenes Wort – auch nicht bei der Gala des Medienpreises der Kindernothilfe. Obgleich die meisten Gäste edle Abendroben trugen, wandte sich der ehemalige Arbeitsminister und Schirmherr mit seiner Mahnung an all die Eltern und Kinder im Saal, als er deutsche Einkaufsgewohnheiten ansprach: Niemand sollte „Klamotten für vier Euro“ tragen, denn „ein Shirt für vier Euro kann nur mit Ausbeutung zustande kommen.“ Im ehemaligen Telegraphenamt in Berlin-Mitte wurde am Freitag zudem deutlich, dass Kinder nicht nur in fernen Ländern, sondern auch in Europa oft Hilfe brauchen.

So ging der Preis für die besten Fotos an Birte Kaufmann, die für „emerge“ die Kinder der Minderheit der „Traveller“ in Irland begleitete. Die „Bilder mit Magie“, (Jury), sind surreal wirkende Porträts erstarrter Kinder, die offenbar nichts von ihrem Leben erwarten. Als bester Radiobeitrag wurde die Reportage von Marianne Wendt und Christian Schiller (Kulturradio rbb) „Eine Pille für den Zappelphilipp“ prämiert, die die Zerreißprobe von Familien mit Kindern mit ADHS-Syndrom schildert. Die Autoren waren überrascht, dass ihre Geschichte über ein „Luxusproblem der Wohlstandsgesellschaft“ den Preis erhielt. Mit 2500 Euro wurde auch Marian Blasbergs Beitrag „Wir wollen arbeiten“ über Kinder in Bolivien („Die Zeit“) ausgezeichnet, die für ihre Arbeit kämpfen. Beste TV-Produktion wurde Beatrix Schwehms ruhiger Arte-Film „Erlesene Welten“ über mobile Büchereien: eine Kamelbibiliothek in Kenia, eine mongolische Steppenbücherei per Yak-Karren und eine Bootsbibliothek in Bangladesch. Die Kinderjury entschied sich für ein besonders grausames Thema, das „Spiegel“-Autor Thilo Thielke „total krass“ aufgeschrieben hat: „Ich war Kindersoldat“ im Kongo. mue

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