Medien : Kindersicheres Internet

Wie Sie Ihre Kinder vor jugendgefährdenden Web-Adressen und Inhalten schützen können

Philipp Eins

Computer hochfahren, Netzwerk starten, Startseite anwählen – die meisten Grundschüler finden sich im Internet spielend zurecht. Insgesamt 58 Prozent der Sechs- bis 13-Jährigen nutzen Online-Angebote regelmäßig, wie eine Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest ergab. Mit zunehmendem Alter wird das Internet immer interessanter: Von den Siebtklässlern sind bereits 80 Prozent der Schüler im weltweiten Datennetz unterwegs. Doch Technik-Erfahrung ist nicht alles. „Die Kinder brauchen vor allem Medienkompetenz“, sagt Sandra Ostermann vom Deutschen Kinderhilfswerk. „Sie müssen lernen, mit Inhalten kritisch umzugehen.“ Dazu fehlt vielen Grundschülern aber die nötige Reife – und gewaltverherrlichende sowie pornographische Online-Inhalte gibt es massenhaft. Rund 22 000 jugendgefährdende Web-Adressen verzeichnet die Datenbank des Service-Portals Jugendschutz.net. Deshalb greifen immer mehr Eltern und Lehrer auf Filterprogramme zurück, mit denen sie das Internet-Treiben der Kinder kontrollieren können.

UNTERSCHIEDLICHE SYSTEME:

POSITIV- UND NEGATIVLISTEN

Es gibt drei verschiedene Filtersysteme: Eines von ihnen funktioniert mit Positiv- und Negativlisten, sogenannten „White Lists“ und „Black Lists“. Das bedeutet: Eine Redaktion erstellt Verzeichnisse von Webseiten, die für Kinder geeignet sind und verknüpft sie anschließend mit einem Programm. Die Software erlaubt dem Benutzer, dem Kind, ausschließlich auf diese Angebote zuzugreifen. Negativlisten funktionieren genauso – nur werden darin jene Inhalte erfasst, die nicht jugendfrei sind. Eine Software kann mit Negativlisten gewaltverherrlichende und pornographische Inhalte blocken. Aktualisiert werden die Verzeichnisse über das Internet.

UNTERSCHIEDLICHE SYSTEME:

VERBOTENE WÖRTER, FRAGENKATALOGE

Eine weitere Möglichkeit sind Filterprogramme mit automatischer Klassifizierung: Sie sperren alle Seiten mit auffälligen Schlagwörtern, sogenannte „Forbidden Words“. Webseiten, die sexuelle oder gewalttätige Begriffe enthalten, werden von dieser Software automatisch geblockt. Neuere Systeme mit automatischer Klassifizierung arbeiten wesentlich komplexer: Sie werten den gesamten Text einer Homepage aus und erstellen anschließend eine statistische Analyse. Mit dem gesammelten Material bewertet das Programm die Webseite – und entscheidet, ob die Inhalte jugendfrei sind. Zuletzt gibt es Software, die vom guten Willen der Homepage-Betreiber abhängt: Wenn die Anbieter anhand eines Fragenkataloges beschreiben, was auf ihrer Webseite zu sehen ist – zum Beispiel nackte Brüste oder blutrünstige Kriegsgemetzel – kann der Filter anhand der Antworten im Online-Quellcode den Zugriff sperren.

STÄRKEN UND SCHWÄCHEN

DER PROGRAMME

Bei allen Filtersystemen verweisen die Hersteller auf eine Effizienz von 95 bis 98 Prozent. Nach Angaben der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) ist jedoch unklar, auf welcher Basis diese Zahlen erhoben wurden. In Tests wird eine Trefferquote von 80 Prozent bereits als gutes Ergebnis gewertet. Eltern und Pädagogen werden dagegen einen Filter wohl kaum als gut bezeichnen, der jede fünfte jugendschutzrelevante Seite durchlässt. Besonders oft versagen die Jugendschutzfilter bei rechtsextremen Inhalten – pornographische Seiten blocken sie dagegen einigermaßen zuverlässig. Neben den allgemeinen technischen Mängeln hat jedes System seine individuellen Schwächen: Positivlisten zum Beispiel bieten lediglich Zugriff auf ein extrem reduziertes Angebot – viele aktuelle jugendfreie Internetseiten, die noch nicht redaktionell erfasst sind, werden trotzdem geblockt. Negativlisten dagegen können, wenn sie in falsche Hände geraten, als Empfehlungslisten missbraucht werden – ähnlich wie ein Verzeichnis indizierter Bücher. Programme, die verbotene Wörter auf Webseiten erkennen, haben einen anderen Makel: Sie erkennen nicht, dass die Schlagwörter mehrdeutig sein können. Der Begriff „Brust“ kann auf Sex-Seiten auftauchen, aber auch in digitalen Lexikoneinträgen über Brustkrebs – und darüber müssen sich Schüler für ihre Hausarbeiten informieren können.

KOSTENLOSE ANGEBOTE

Die KJM hält kein Programm, das auf dem Markt erhältlich ist, für unbedingt rundum empfehlenswert. Trotzdem gibt es seitens der Kommission Bemühungen, die Entwicklung geeigneter Software zu unterstützen. Derzeit laufen Modellversuche mit drei Anbietern: ICRA-Deutschland setzt auf eine Selbsteinschätzung der Webseiten-Betreiber, die Cybits Systems Security GmbH arbeitet an der größten deutschen Positivliste für ihr Programm Surfsitter. Der Verein Jus Prog ist der Dritte im Bund: Er bietet auf seiner Homepage Jugendschutzprogramm.de eine Software mit redaktionell betreuten Negativlisten an. „Wir versuchen, durch die Kombination der verschiedenen Systeme die Filter zu präzisieren“, sagt Verena Weigand von der KJM. Bislang sind alle drei Programme kostenlos im Internet erhältlich.

SOFTWARE FÜR 30 EURO

Die gibt es auch. „Doch der Preis sagt nichts über die Qualität aus“, sagt Jugendmedienschützerin Verena Weigand. Verbreitet sind Programme wie Net Nanny, Surfcontrol Cyber Patrol, das CYBERsitter Jugendschutzsystem oder auch PC Safetykid, das Erwachsenen (und Kindern) verschiedene Desktops auf einem PC ermöglicht. Net Nanny arbeitet mit einer Negativliste, die nicht nur den Zugriff aufs Web, sondern auch auf Chat-Räume und andere Bereiche des Internets kontrolliert. Kostenpunkt: Um die 30 Euro. Testversionen der Programme können im Internet heruntergeladen werden.

Software im Internet:

www.jugendschutzprogramm.de

www.u18.net

www.safetykid-shop.de

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