Medien : Kinderzeitschriften: Kindchenschema F

Simone Leinkauf

Die "Frankfurter Rundschau" hat vor einem Jahr in der Wochenendausgabe unter dem Titel "Magazinchen" eine Kinderseite für Acht- bis Zwölfjährige eingerichtet, im Tagesspiegel gibt es sonnabends den "Kinderspiegel", und bei der "Stuttgarter Zeitung" und der geplanten überregionalen "FAZ am Sonntag" gibt es Überlegungen, ebenfalls eine solche Seite ins Blatt zu heben. Die Zeitungsmacher haben entdeckt, was Verlage für Kinder- und Jugendzeitungen schon lange wissen: Kinder sind die Leser von morgen, sie sind ein Publikum, dessen Gunst sich zu gewinnen lohnt. Grafik: Der Markt der Kinderzeitschriften Addiert man die Angebote am Kiosk und im Abonnement, die Mitgliederzeitschriften von Vereinen und die kostenlosen Werbezeitschriften von Unternehmen wie Krankenversicherungen, Banken und Apotheken, kommen mehr als hundert Titel zusammen. Ein richtig großer Markt also: Renate Grubert, Pressereferentin des Arena-Verlages, stellte im Juni in einem Referat zum Thema "Kinder- und Jugendzeitschriften - ein boomender Markt zwischen Buch und Internet" fest, dass 1998 mit 286,8 Millionen Exemplaren Kinder- und Jugendzeitschriften insgesamt 1,03 Milliarden Mark umgesetzt wurden.

"Micky Maus" noch immer Bestseller

Eine stolze Summe, von der die Kioskzeitschriften den größten Teil kassieren. Der Berliner Verlag Ehapa ist hier der Markführer: Fast die Hälfte der Kiosk-Titel erscheint bei oder in Zusammenarbeit mit Ehapa. Allein mit "Micky Maus" wurden im vergangenen Jahr etwa 116 Millionen Mark umgesetzt. Der Gesamtjahresumsatz des Verlages liegt derzeit bei knapp 240 Millionen Mark.

Der Markt ist ähnlich hart umkämpft wie bei den Zeitschriften für Erwachsene. So wurde die Vorschulzeitschrift "Mücki und Max" im vergangenen September in "Rudis Rabenteuer" umgetauft: Comics über die Abenteuer des aus der Kinderfernsehserie "Siebenstein" bekannten Raben Rudi bildeten in jeder Ausgabe den Einstieg in das Erstlesermagazin. Zeitgleich mit der Namensänderung ging die Universum-Verlagsanstalt, die ihre Kinderzeitschriften bisher nur im Direktvertrieb an Schulen vermarktete, mit "Rudi Rabenteuer" an den Kiosk. Leider ohne Erfolg. Obwohl "Rudi Rabenteuer" richtig gut gemacht war und mit dem Siebenstein-Raben auch ein bekannter Charakter die Kinder ansprach, griffen diese nicht zu dem Heft: Es ist eingestellt.

Seit Mai ist mit "Mücke" das zweite Schülermagazin des Verlages am Kiosk zu haben (6 Mark 20). Auf 35 Seiten werden kinderspezifische Themen witzig und anspruchsvoll aufbereitet. Seitdem "Mücke" am Kiosk aufgetaucht ist, hat das Insekt eine kleine Wandlung erfahren: Waren es früher vor allem Themen, welche die Lehrer ansprachen, setzt Universum für den Kiosk-Verkauf nun stärker auf die eigentliche Zielgruppe. "Mücke" ist ein wenig bunter geworden und präsentiert inzwischen auch Inhalte, die noch vor einigen Monaten vermutlich nicht zu finden gewesen wären: So ist das Poster im Juli-Heft ein Pokémon.

Die meisten Zeitschriften am Kiosk sind vor allem bunt - je greller, desto größer die Chance, dass die Kinder danach greifen. Und Gimmicks gehören selbstverständlich auch dazu. Manches Heft scheint mehr wegen des kleinen beigelegten Spielzeugs gekauft zu werden als wegen des Inhalts. Schon bei einer flüchtigen Durchsicht fällt auf, dass die Qualität der reinen Abonnement-Zeitschriften im Durchschnitt deutlich höher ist als die der Kioskzeitschriften.

"Der bunte Hund" ist die Literaturzeitschrift für die jüngsten. Dreimal im Jahr (April, August, Dezember) gibt die Verlagsgruppe Beltz & Gelberg ein Heft heraus, in dem einerseits Kinderbuchautoren mit alten und neuen Erzählungen sowie Illustrationen Kinder zum Lesen bringen sollen. Aber es gibt auch Rubriken zum Mitmachchen: Rätsel zum Beispiel und ein Erzählwettbewerb. Jeweils zu einer Illustration werden auf vier bis fünf Seiten kurze Erzählungen von Kindern veröffentlicht (Literaturzeitschrift, Beltz & Gelberg, 64 Seiten, Einzelheft 12 Mark 80, Jahresabo 30 Mark).

Die teuerste, aber auch eine der anspruchsvollsten Publikationen für Jugendliche ist das Sammelheft "Spick", das in Zürich herausgegeben wird. Auf 32 Seiten erscheinen unter verschiedenen Rubriken Sammelseiten zum Heraustrennen. Fotos und Illustrationen kommentieren die gut geschriebenen Texte, die in den meisten Fällen zeitlos gehalten sind ("Spick", Tamedia AG Zürich, 32 Seiten, Jahresabo mit Sammelsystem 107,- SF, ohne Sammelsystem 100 FF).

Der Veteran heißt "Floh"

1876 unter dem Titel "Jugendlust" gegründet ist der "Floh", nach Verlagsangaben die älteste Jugendzeitschrift der Welt. Der "Floh" erscheint mittlerweile alle zwei Wochen in vier verschiedenen Ausgaben für die Klassen eins bis fünf. So genannte "didaktische Handreichungen für Lehrer" und ein Eltern-Schulbegleiter sind jeweils beigelegt. Themen sind lehrplanorientiert. Den Kleinen fällt das nicht weiter auf, und sie lesen die "Flohkiste" mit Begeisterung. Etwas anders sieht das dann bei den Älteren aus: Da mag das Heft als schulbegleitende Lektüre ganz hilfreich sein, für eine reine Freizeitlektüre reckt sich aber zu oft der pädagogische Zeigefinger ("Flohkiste" und "Floh", Domino Verlag, 28 Seiten, Einzelheft 4 Mark 70, im Abonnement 3 Mark 80).

Weniger pädagogisch und deutlich bunter, aber mit gut gemachten Geschichten kommen "Treff" (Velber im OZ-Verlag, 56 Seiten, Einzelheft 5 Mark 50, Jahresabo 53 Mark 40), die evangelische Zeitschrift "Benjamin" (Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, 20 Seiten, Jahresabonnement 39 Mark 60) und das vierteljährlich erscheinende Magazin "Kläx" (Bundes-Verlag, 56 Seiten, Jahresabo 21 Mark) daher. Zu guter Letzt noch eine kostengünstige, aber nicht billige Empfehlung: "Kinder, Kinder" - die Zeitschrift der Kindernothilfe - geht leider nur einmal im Jahr auf Entdeckungsreise nach Afrika oder Indien, Brasilien oder Äthiopien. Das Heft schildert den Alltag von Kindern in anderen Ländern. Im Anschluss an die Geschichte gibt es weiterführende Informationen, Spiele, Basteleien oder Rezepte aus dem entsprechenden Land (Kindernothilfe e.V., 12 bis 16 Seiten, kostenlos).

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