Medien : Kino, Jenseits und Kirschkes Kopf

Tom Peuckert

Wer etwas über die Zukunft des Kinos erfahren will, schaut bekanntlich nach Hollywood. Welche Geschichten wird man uns morgen erzählen? In seinem Feature „Die neuen Gläubigen von Hollywood“ prophezeit Autor Josef Schnelle radikale Veränderungen. Die größten in der Geschichte des US-Filmbusiness. Die zu erwartenden Umbrüche haben mit den neuen globalen Krisenszenarios zu tun, aber auch mit evangelikalen Netzwerken und einem wiederentdeckten christlichen Fundamentalismus in Amerika. Weniger Spezialeffekte, mehr Gewissenskonflikte, so lautet die Faustformel. Den Fantasystreifen „Der König von Narnia“ und den christlichen Horrorfilm „Der Exorzismus von Emily Rose“ entdeckt Schnelle als erste Sendboten eines neuen Glaubensfiebers (Deutschlandradio Kultur, 1. März, 19 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

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Der christliche Glaube sorgt ja nicht nur in Hollywood für Unruhe. Auch deutsche Musiker ringen mit unserem metaphysischen Erbe. „Streiflichter über das Jenseits“ heißt das Motto eines Sinfoniekonzerts in der Frankfurter Alten Oper, das dem Glauben gewidmet ist. Hauptstück des Abends ist Olivier Messiaens „Éclairs sur l’Au-delà“, eines dieser gewaltig besetzten Orchesterwerke, für die der französische Katholik zu Recht berühmt ist. Eine Komposition nach der Offenbarung des Heiligen Johannes. Deutschlandradio Kultur überträgt live aus Frankfurt (3. März, ab 20 Uhr 03).

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Genau 32 Kilometer breit ist der Ärmelkanal zwischen Dover und Calais. Wer hinüberschwimmt, darf sich als Held fühlen. Der Weltrekord für eine Kanalüberquerung liegt im Moment bei gut sieben Stunden. Der Feature-Autor Lorenz Schröter hat einen Rekordschwimmer auf seiner Jagd begleitet. Sieben Stunden allein zwischen hohen, grauen Wellen, im brutalen Konflikt mit äußerer und innerer Natur. Nur die enormen Ozeandampfer begleiten den einsamen Kämpfer. Schröters Feature „Der Kanalschwimmer“ erzählt von einem Mann, der sich das Wasser untertan macht. Was es heißt, im Ärmelkanal der Konkurrenz ein paar Schwimmzüge voraus zu sein (Deutschlandradio Kultur, 4. März, 18 Uhr 05).

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Im Kurort Jalta geht die Saison zu Ende. Badegast Dimitry will zurück nach Moskau, heim zu Arbeit und Familie. Da entdeckt er auf der Kurpromenade eine schöne Fremde. Er spricht sie an und gerät in eine Affäre, die sein Leben aus den Fugen bringt. Der Dramatiker Brian Friel hat Tschechows zauberhafte Novelle „Die Dame mit dem Hündchen“ fürs Radio bearbeitet. Im Hörspiel „Das Jalta-Spiel“ erwartet uns die ganze Phänomenologie der Liebe. Taumelndes Begehren, rasendes Fieber, die Abgründe des Zweifels und auch der Melancholie (SWR 2, 5. März, 16 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

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Was geschieht, wenn die Zeit plötzlich ihre Richtung verliert? Wenn Vergangenheit und Gegenwart nicht mehr auseinander zu halten sind? „Wie ich mir Bernd Kirschkes Kopf zerbrach“ heißt ein amüsantes Hörspiel von Bert Koß , das den Casus einmal durchspielt. Viele Jahre nach dem Ende der DDR steht jener Bernd Kirschke wieder vor dem ostdeutschen Heim, in dem er eine freudlose Kindheit verbrachte. Zu seiner großen Überraschung ist drinnen noch alles am alten Platz. Gerade wird mit realsozialistischem Ernst der 1. Mai gefeiert. Der Zögling Kirschke, so behaupten die strengen Erzieherinnen, liege natürlich oben in seinem Bett. Bernd Kirschke erfährt am eigenen Leib wie furchtbar es ist, wenn die Vergangenheit nicht mehr vergangen sein kann (Deutschlandfunk, 7. März, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

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