Kirch-Pleite : Gegen die Bank

Leo Kirch und die Deutsche Bank liefern sich das bedeutendste Gefecht vor dem Münchner Zivilgericht. Es geht um Milliarden. Der Pleitier Kirch gibt die Schuld an dem Zusammenbruch des Medienimperium Rolf Breuer, dem damaligen Chef der Deutschen Bank.

Thomas Magenheim-Hörmann
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In Dauerfehde. Kirch (links) gegen den früheren Deutsche-Bank-Chef Breuer. Foto: dpa

Es soll der teuerste Satz der deutschen Wirtschaftsgeschichte werden. Zwei Monate, nachdem der damalige Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, im Februar 2002 mit holprigen Worten die mangelnde Kreditwürdigkeit seines Kunden Leo Kirch öffentlich angezweifelt hatte, brach das Medienimperium des heute 82-jährigen zusammen. "Erschossen hat mich der Rolf", sagte der Pleitier und machte Breuers öffentlich geäußerten Satz zur Ursache seiner Insolvenz. Sechs Jahre später geht es nun um 3,6 Milliarden Euro Schadenersatz und zwar minimal. Diese Rekordsumme macht Kirch in zwei getrennten Klagen geltend, die jetzt vor dem Landgericht München erstmals verhandelt wurden.

Der Teil, in dem es um gut zwei Milliarden Euro geht, stand gleich zum Auftakt kurz vor dem Scheitern. Diese Teilsumme macht der aus 17 früheren Kirch-Gesellschaften bestehende Klagepool KGL geltend, "eine mittellose Gesellschaft", wie ein Anwalt der Deutschen Bank betonte. Richterin Brigitte Pecher denkt ähnlich. Denn sollte KGL bei mutmaßlichen Prozesskosten von mehreren Millionen Euro unterliegen, blieben der Staat und die Deutsche Bank auf ihren Ausgaben sitzen. Kirch habe drei Wochen Zeit, schriftlich eine etwaige Kostenübernahme zuzusagen, so Pecher.

Die Kirch-Pleite ist noch nicht vollständig abgewickelt

Eine Teilklage im Umfang von rund einer Milliarde Euro hat Pecher schon abgeschmettert. Dabei geht es um - nach Ansicht von Kirch - unter Wert verkaufte Springer-Aktien aus seinem ehemaligen Besitz. Bei der Berechnung Schadenersatzsumme hat sich der Pleitier schwer verrechnet. Für den wahren Wert des Springer-Pakets macht er den aktuellen Börsenkurs geltend. Der liegt nach dem jüngsten Börsencrash unter dem Preis des angeblichen Notverkaufs, womit Kirch rechnerisch ohne Schaden bleibt. "Das ist das Risiko bei Aktien", sagte Pecher. Kirchs Anwälte wollen Beschwerde gegen die Entscheidung des Gerichts einlegen und eine neue Schadensberechnung auf Basis eines Wertgutachtens für Springer liefern.

Die Münchner Zivilklage ist das weitaus bedeutendste Gefecht, das sich Deutsche Bank und Kirch in Gerichtssälen liefern. Rund 30 Klagen sind zwischen beiden Parteien anhängig. Abseits von der Münchner Verhandlung ist alles andere belanglos. 3,6 Milliarden Euro sind nur das Ausmaß der schon bezifferten Klagen. Vollständig abgewickelt ist die Kirch-Pleite vom April 2002 noch nicht, die ganze Schadensdimension noch nicht berechenbar. Im Raum stünden noch unbezifferte Klagen in der Dimension einer zweistelligen Milliardensumme, heißt es in Kirchs Umfeld. Der 82-jährige will alles zurück haben und klagt nicht nur gegen die größte Bank der Republik, die einmal seine Hausbank war, sondern auch gegen Breuer persönlich.

Die Beklagten halten die Forderungen für völlig haltlos, wollen nichts zahlen und derzeit über einen Vergleich nicht einmal nachdenken. Eine Rückstellung hat die Deutsche Bank im Komplex Kirch noch nicht gebildet. Ob sie am Ende ungeschoren davonkommt, ist nach einem Grundsatzurteil des Bundesgerichtshof (BGH) vom Januar 2006 fraglich. Dieser hat darin festgestellt, dass die Deutsche Bank und Breuer grundsätzlich schadenersatzpflichtig sind. Welche Summe abgegolten werden muss, ist Gegenstand der Münchner Klagen. Von der Vorstellung, den Zusammenbruch seines Konzern rückgängig zu machen, könne sich Kirch aber verabschieden, hat der BGH schon geurteilt. Für einen Erfolg muss Kirch beweisen, dass er nur wegen Breuers Äußerung keine Kredite mehr bekommen hat und sein Imperium andernfalls noch am Leben wäre. "Es wird eine Materialschlacht", sagt ein Beteiligter. Dessen Schriftsätze übersteigen 1000 Seiten. Allein die erste Instanz kann sich zwei Jahre hinziehen. Enden werde alles erst vor dem BGH in etwa fünf Jahren.

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