KIRCHE ONLINE : Facebook auf Evangelisch

Das erste spezifisch evangelische Internetportal ist online.

Claudia Keller

Die evangelische Kirche redet nicht nur davon, dass sie neue Anhänger suchen will. Sie tut es auch. Vom heutigen Donnerstag an ist das erste spezifisch evangelische Internetportal www.evangelisch.de online. Fünf Online-Redakteure schreiben hier täglich über gesellschaftlich relevante Themen in den Sparten Politik, Wirtschaft, Kultur. Aktuell geht es unter anderem um Mindestlöhne, Jugendgewalt, die Not der Milchbauern und die Wahl. Daneben informiert das Portal über Glaubensdinge. Da geht es zum Beispiel ums kirchliche Heiraten, von den finanziellen Kosten bis hin zur Frage, ob auch gleichgeschlechtliche Paare vor den Altar treten dürfen.

Daneben gibt es die „Community“, eine Art evangelisches Facebook. Hier sollen sich Menschen nicht übers Shoppen und Liebeskummer austauschen, sondern über gesellschaftliche Entwicklungen, über ihre Erfahrungen in und mit Kirche. Auch eigene thematische Kreise kann man anlegen, im Moment kann man unter anderem zwischen „A und O des Lobpreistanzes“ und „Bundestagswahl 2009“ wählen. Die Community ist mit 400 Nutzern gestartet. Man hofft auf mehr. „Aber wir stehen nicht unter einem so starken wirtschaftlichen Druck wie andere Portale“, sagt Community-Manager Tom Noeding.

Auch den getwitterten Schöpfungsbericht kann man abrufen: „Gott:Himmel+Erde=>wüst,leer,finster. Geist auf Wasser. Gott:Licht! Licht=gut. Licht=Tag. Finsternis=Nacht. Abend+Morgen=1.Tag“. „Finds genial! Aber wie kann man das vorlesen?“, fragt ein Nutzer. Ein anderer kommentiert: „Kann mir mal einer sagen, was so erstrebenswert ist an einer Bibel in Kurzform, wenn heute sowieso keiner mehr weiß, was in Gottes Wort drinsteht?“ Das Portal verspricht viel Buntes.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) lässt sich den neuen Auftritt eine Million Euro im Jahr kosten. Die katholische Kirche plant gemeinsam mit der Bertelsmann-Stiftung ein vergleichbares katholisches Angebot. Doch etliche Bischöfe fürchten die Offenheit eines solchen Portals, das nicht gefeit ist gegen antikirchliche Meinungen. Man beobachte natürlich, was auf der Homepage passiert, sagt evangelisch.de-Manager Noeding. Aber man könne nicht alles kontrollieren. „Das ist das Risiko das man eingeht, wenn man Neues wagt.“ Claudia Keller

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