Update

Kirchen-Rap : TV-Moderatorin Carolin Kebekus beschwert sich über WDR

"Ich möchte mich von der Sendung distanzieren": Entertainerin Carolin Kebekus macht bei Stefan Raab ihrem Unmut über etwaige Zensur ihrer neuen Show bei Einsfestival Luft. Der WDR wehrt sich gegen den Vorwurf.

von
Das Kirchen-Rap-Video mit Carolin Kebekus.
Das Kirchen-Rap-Video mit Carolin Kebekus.Screenshot: Tsp

Das hatte selbst Stefan Raab noch nicht erlebt. Am späten Dienstagabend war Carolin Kebekus als Gast bei „TV Total“ zu sehen. Die Komikerin und Sängerin machte dabei ihrem Unmut über ihren Arbeitgeber, dem WDR, Luft, über die etwaige Zensur ihrer neuen, vom WDR verantworteten, Sendung bei Einsfestival. Diese Sendung am Mittwoch abend um 20 Uhr 15 anschauen? „Brauchen Sie nicht gucken. Ist völlig verstümmelt“, sagte Kebekus. Und: „Ich möchte mich von der Sendung distanzieren“. Auf Raabs Nachfrage, ob man es sich mit solchen Aussagen nicht mit dem WDR oder der ARD verscherze, antwortete Kebekus: „Och echt? Das tut mir jetzt leid. Wir hatten eigentlich vor, mehrere Sendungen zu machen. Aber jetzt bleibt es natürlich bei der einen.“

Was war passiert? Es gibt, auch schon länger auf Youtube, ein provokatives Musikvideo („Dunk den Herrn!“), das die Produktionsfirma Bildundtonfabrik („Roche & Böhmermann“) mit Kebekus in der Hauptrolle für die neue, nach ihr benannte Sendung produziert hatte, die am Mittwoch abend auf EinsFestival starten sollte. Auf dem Video ist die rappende Entertainerin, unter anderem als Nonne verkleidet, in einer Kirche zu sehen. Gleich am Anfang wird ein Kruzifix geleckt. Außerdem gibt es Anspielungen auf den sexuellen Missbrauch durch Priester. Das Video ist dem WDR offenbar zu heiß geworden. Es soll in der Sendung nicht ausgestrahlt werden.

Kebekus dazu bei Stefan Raab: „Die Sendung war auch schon lange abgenommen. Aber Du kennst das ja: Einen Tag bevor die Sendung ausgestrahlt wird, guckt man nochmal drüber. Jetzt ist dem WDR aufgefallen: ,So jung wollen wir auch nicht werden’.“ Dabei sei es nur „ein kleines Imagevideo für die Kirche“, sagte die 33-Jährige. Dass der WDR jetzt kurz vor der Ausstrahlung den Mut verloren hat, finde sie „scheiße“. In „TV Total“ wurden Ausschnitte des Clips gezeigt. „Bei uns keine Zensur“, sagte Raab, „beim WDR ist das natürlich anders.“

Der Vorwurf ist so nicht akzeptabel

Der Kölner Sender wehrt sich gegen diese Darstellung. „Wir bedauern die Äußerungen von Carolin Kebekus bei ,TV total’. Den Vorwurf der Zensur können wir so nicht akzeptieren“, sagte eine Sprecherin. Der WDR stehe für Liberalität und Toleranz. Das bedeute auch, die religiösen Überzeugungen der Bevölkerung zu achten und die Verunglimpfung religiöser Symbole in seinen Sendungen nicht zuzulassen. „Nach eingehender redaktioneller Diskussion und rechtlicher Prüfung haben wir uns entschieden, das Video, das ursprünglich Bestandteil der Show bei Einsfestival war, nicht auszustrahlen.“ Es gebe einen erheblichen Unterschied zwischen Kritik an der Institution Kirche und der Verunglimpfung religiöser Symbole. Das habe nichts damit zu tun, ob sich eine Sendung an jüngeres oder älteres Publikum richtet. „Wie eine Zusammenarbeit mit Carolin Kebekus nun aussehen kann, wird sich zeigen – unsere Türen bleiben geöffnet.“

Ob Kebekus da durch gehen wird, ist unwahrscheinlich. Wenn sie schon vom Gucken ihrer eigenen Sendung abrät. Moderatorin, Redaktion und Produktionsfirma waren am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Wie man hört, bezeichnen Mitarbeiter im WDR die Zensur des Kirchen-Raps als scheinheilig. Die offizielle Version, dass sich auch die Redaktion bei der Endabnahme der Sendung gegen eine Ausstrahlung des Clips entschieden hätte, sei nicht haltbar. Die Macher der Sendung glauben laut Bericht im Mediendienst DWDL an voreilige Selbstzensur aus Angst vor den Reaktionen der katholischen Kirche, die sich Ende Februar öffentlich über einen Beitrag von Kebekus für die „heute show“ beschwerte. Damals hatte sich Kebekus für die ZDF-Sendung vor laufender Kamera beim Kölner Kardinal Joachim Meisner als Päpstin beworben und zu einer Pressekonferenz der deutschen Bischöfe in Trier ihre Bewerbungsunterlagen mitgebracht.

Autor

62 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben