Medien : Kiss mich mal

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Joachim Huber stellt fest,

dass Geschmack geil ist

„Mach an, Du geile Sau“, brüllt es von den Citylights. Eine Werbung des Berliner Radiosenders Kiss FM. Wer sich davon provozieren lässt, hat schon alles falsch gemacht. Das GossenDeutsch ist Jugendsprache, sagt Kiss-FM- Chef Marco Brandt. Für den älteren Mitbürger übersetzt er es gerne: „Schalt uns ein, du netter Mensch“, würden all die Menschen sagen, die jünger als 14 und älter als 24 Jahre sind. Menschen, die nicht zur Zielgruppe dieses „Jugendradios“ gehörten. Brandt meint, wer nicht „geile Sau“ sagt, der erreiche die Jugendlichen nicht. Das sage auch eine Studie der Uni Hannover über Jugend und Sprache.

Außerdem sei „Kiss FM“ ein „schmutziges Radio“, das von der Straße komme, aber nicht den Hauptschüler im Wedding, nicht den Studenten in Zehlendorf, sondern „die Mittelschicht“ ansprechen wolle. „Mach an, Du geile Sau“, sagt Brandt, ist ein glasklarer „Einschaltgrund, ein Einschaltmotiv“. Aggressiv, kreativ, im Werbetest gehärtet.

Der letzte Slogan von Kiss FM hieß: „Deine Alten werden kotzen.“ Auf Normaldeutsch: „Deine Eltern werden sich übergeben“, wenn sie merken, dass du dieses Jugendradio hörst. Das biete nur Kiss FM: Abgrenzung, das Gefühl, etwas zu tun, was die Eltern verbieten. Toll, nicht?

„Mach an, Du geile Sau“ ist eine Behauptung. Die Behauptung, dass Jungen genauso über Mädchen sprechen. Kiss FM redet seiner Zielgruppe ein, dass sie so sprechen muss, wenn sie jung und „Berliner Lifestyle“ sein will. Kiss FM wirft sich ran. Ein Medium, das ein werbegängiges, käufliches Produkt ist. Heute gepierct, morgen geliftet, heute ein Radio für Hip und Top, morgen für die grünen Männchen.

Ich behaupte mal, dass Geschmack geil ist. Weil Sprache keine Sache für Säue ist, weil Sprache Unterschiede ausdrücken kann. „Du geile Sau“ kann jeder und keiner sagen. Aber wer will schon ein Jedermann sein? Das ist knapp vorm Niemand und absolut nicht geil.

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