Medien : Klatsch vom Fach

Wie ein Ex-Clubanimateur ein Netzwerk zwischen Politik und Medien spinnt

Matthias Meisner

Es glaubt ihm jeder, dass er mal Animateur gewesen ist. Zwei Jahre lang arbeitete Rudolf Hetzel in Ferienclubs auf Rhodos, Kreta, Fuerteventura und Gran Canaria. Gelernt ist gelernt: Der 30-Jährige hat im düsteren Kreuzberg angefangen, jetzt eine Büroetage an der Berliner Friedrichstraße, gleich beim Checkpoint Charlie, der Adresse wegen dazugemietet. Und wieder geht es um Animation: Die neue Praktikantin wird für ihren bunten Pulli gelobt, nett plauscht er mit einem der Chefredakteure. Ziemlich rasant hat Hetzel zusammen mit seinem Partner Daniel Steuber aus seinem Fachverlag Helios ein kleines Mediumimperium gemacht – mit vier Magazinen, großen Kongressen, Preisverleihungen und einer Akademie, in der PR-Handwerk gelehrt wird. Und, alles in allem, 40 festen Mitarbeitern.

Als „Landeier“ stellen sich die Verlagschefs vor, Hetzel kommt vom Niederrhein, sein 27-jähriger Kompagnon Steuber stammt aus Nordhessen. Beide haben Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin studiert, und so lange ist es nicht her, dass sie klein angefangen haben. 2000 war das, da organisierten sie für die Internetfirma AOL eine Bootstour mit Politikern, bald darauf Politiktage mit Jugendlichen für die damalige SPD-Familienministerin Christine Bergmann. Die ersten Kontakte waren geknüpft, und bald wurden Pläne geschmiedet. Nach dem Vorbild des US-Magazins „Campaigns and Elections“ wollten sie eine Zeitschrift auch für Deutschland machen, kurz vor der Bundestagswahl 2002 erschien die erste Ausgabe von „Politik & Kommunikation“. Die Zielgruppe: Mandatsträger und Parteipolitiker, Mitarbeiter von Abgeordneten, Lobbyisten, PR-Leute, Nachwuchskräfte.

Eine Marktlücke wollte der Helios-Verlag entdeckt haben – und erprobte bei „Politik & Kommunikation“ eine Rezeptur, die auch für die weiteren Magazine angewandt wurde: eine kleine Redaktion, fünfköpfig, ein Chefredakteur, ein Redakteur, ein Volontär und zwei Praktikanten. Stets kommt zu dem jungen Team ein vielköpfiger Redaktionsbeirat mit klingenden Namen aus Wirtschaft, PR und Journalismus. Und regelmäßig haben die Macher ein paar gute Ideen, sich ins Gespräch zu bringen. Schon in einer der ersten Ausgaben, als es die Debatte um deren Einfluss auf die Politik kaum gab, stellte „Politik & Kommunikation“ die „40 besten Lobbyisten“ vor – fast alles Leute, die lieber im Hintergrund geblieben wären. „Wir finden, dass Lobby ein positiver Begriff ist“, sagt Hetzel, „die Frage ist, wie Lobbyarbeit stattfindet.“

Bald erlaubten sich die Blattmacher eine Liste der wichtigsten Verbände, und so ähnlich ging das weiter. In der neuen Ausgabe hat „Politik & Kommunikation“ unter der Überschrift „Jenseits der Meute“ aufgezählt, „welche Korrespondenten nah an der Macht sind“. Ein paar nette Kollegen tauchen da auf, ein paar Wichtigtuer und ein paar, die wirklich nah dran sind. Egal – Eitelkeiten werden befriedigt, die Zeitschrift ist im Gespräch und wird herumgereicht. Abonniert wird von den 10 000 gedruckten Heften, die zehnmal im Jahr erscheinen, nur ein Bruchteil. Multiplikatoren bekommen ein Freiabo, ein Teil der Auflage geht in die Werbung. Und immer wieder putzen die Verlagschefs Klinken – ob nun bei Parteitagen, beim Empfang der Jungen Union zur Berlinale oder beim Neujahrstreffen der PDS.

Je nach Zielgruppe haben sie außer „Politik & Kommunikation“ für Öffentlichkeitsarbeiter die Zeitschrift „Pressesprecher“ dabei oder seit Ende 2004 „Mandat“ für Kommunalpolitiker. Kein Termin vergeht, ohne dass die Zeitschriftenmacher nicht mit neuen Informationen in die Redaktion zurückkehren. Oder auch mit einem neuen Anzeigenauftrag. Was nicht Zeit hat bis zum Erscheinen des nächsten Blatts, wandert in den Newsletter „Politikszene“. Im Internet präsentiert sich der Verlag täglich neu, unter anderem mit einer Geburtstagsliste – heute etwa werden weder der Grüne Ludger Volmer noch der Berliner CDU-Politiker Christoph Stölzl vergessen. Neuestes Produkt ist die Zeitschrift „V.i.S.d.P.“ für Journalisten. Als Herausgeber wurde der ehemalige „Max“-Chefredakteur Hajo Schumacher gewonnen; im Februar-Heft gibt es neben vielen Personalia, Klatsch und einer Debatte um den journalistischen Umgang mit der NPD allein 39 Rankings.

Hetzel bleibt bei allem der Hans Dampf. „Ich bin hier der Außenminister“, sagt er: „Das heißt, ich muss die Leute vollquatschen.“ Ein bisschen Bluff gehört zum Geschäft, das weiß er sehr gut. Inzwischen liegt der Jahresumsatz der Firmenkette bei über zwei Millionen Euro.

Vom Niederrhein nach Berlin: Der 30-jährige Rudolf Hetzel beobachtet seit 2002 die Szene aus Politik, Lobbyisten und Journalisten. Und hält seine Fachmagazine im Gespräch.

0 Kommentare

Neuester Kommentar